DIE ANFÄNGE
Was ist eine Hallig und wie entsteht so ein kleines Stück Land mitten im Meer?
MARSCHEN UND KEINE INSELN - WAS IST EINE HALLIG?
Der Begriff Hallig umfasst in alten Zeiten nicht nur die kleinen,
unbedeichten Inseln, sondern auch das Vorland über dem mittleren
Hochwasser. Hallig bezeichnet bis in die frühe Neuzeit alles
Land das bei hohen Wasserständen oft überflutet wird.
Heute
steht der Begriff für die kleinen Marschinseln im Wattenmeer.
Das Halligland ist flach und von Salzwasser führenden Prielen
durchzogen. Auf einer Hallig steht man nur gut einen Meter über
dem Meeresspiegel, was man bei Flut auch sehen kann. Nur die Warften
erheben sich mehrere Meter. Eine amphibische Landschaft.
Eine Hallig ist keine Insel. Die
einen sagen, eine Insel sei nur dann eine solche, wenn sie über
einen Geestkern verfügt so wie Amrum, Föhr und Sylt. Eine
Hallig sei reines Marschland, also keine Insel. Die anderen sagen,
wenn man Land eindeiche und die Salzwasserfauna in Süßwasserfauna
überginge, habe man eine Insel. So wie zum Beispiel Pellworm.
Eine Hallig habe Salzwasserfauna. Nach dieser Definition ist auch Hooge
schon fast keine Hallig mehr, denn sie verfügt über einen
Sommerdeich und wird auch nicht mehr so häufig überflutet
wie die klassische Hallig.

NEUES LAND IM WATTENMEER - DIE ENTSTEHUNG
Dort, wo heute die Halligen liegen streifen vor Tausenden von Jahren
in der letzten Eiszeit Jäger umher. Die Nordseeküste befindet
sich in Höhe der Doggerbank. Als das Eis taut, steigt der Meeresspiegel.
Weite Teile des Landes bis zur heutigen Geest werden überflutet.
Immer wieder zieht sich das Wasser zurück und stößt
wieder vor. Es bildet sich eine Ausgleichsküste.
Vor dem heutigen Nordfriesland hält ein Nehrungswall zwischen
den Geestkernen das Meer ab, doch das Wasser steigt weiter. Das
Land hinter den Dünen vermoort, Seen und Schilfsümpfe
entstehen. Ungefähr vor 2500 Jahren entstehen die ersten Seemarschen.
Sedimente wachsen über das Mittlere Tidehochwasser auf. Queller
siedelt sich an, Salzwiesen entstehen. Die alte Marsch ist geboren.
Große und kleine Flächen Marschland werden von Wasserläufen
und Prielen durchzogen.
Im
Lauf der Jahre und Jahrhunderte zerreißen Sturmfluten das
Land. Immer breitere Wattflächen bleiben nach der Flut zurück.
Priele in alten eiszeitlichen Schmelzwassertälern werden tiefer
und tiefer und schließlich zu Wattströmen. Bis schließlich
am Marcellustag, dem 16. Januar, im Jahr 1362, in der so genannten
ersten großen Mandränke, die alte Uthlande versinken.
Die meisten Halligen sind nach dieser Flut durch
Sedimentation entstandenes Land: die neue Marsch. Zwischen weiten
Wattflächen bleiben kleine unbewohnte Landreste, die noch bei
jeder Flut überspült werden. Im Wellenlee von Inseln und
Sänden lagert sich Schlick ab, Schicht auf Schicht, bis über
einen Meter oberhalb des Mittleren Tidehochwassers. Halligen entstehen.
Nur die große Insel Strand bleibt von der alten Marsch
erhalten. Die Marschinseln Nordstrand und Pellworm und die Halligen
Nordstrandischmoor und Hamburger Hallig sind die Überreste
des alten Strand, später zerrissen in der Zweiten Mandränke
im Jahr 1634.
Das Halligland, auf dem der Mensch heute steht, liegt mehrere
Meter über dem eiszeitlichen Grund und dem Torf der alten
Moore und doch nur wenig über dem durchschnittlichen Hochwasser.
Das Meer nagt an den Landflächen, bricht Stück für
Stück der Halligkante wieder weg. Jahrhundertelang.
Strömungsbedingt
wird an einer Seite wegenommen, an einer anderen wieder angeschwemmt.
Leider nicht in gleichem Ausmaß. Zudem läßt sich
dieses Verhalten schwer mit menschlicher Besiedlung vereinen. Die
untergegangenen Halligen und die historischen Landverluste der noch
bestehenden sprechen da Bände. Aber die Hallig wächst
auch. Mit jeder Sturmflut trägt das Meer neues Material heran.
Das kann man gut an den Schichten zum Beispiel an den Prielkanten
erkennen. Dunkle Abschnitte entstanden durch Sedimentation bei normalem
Landunter, helle Abschnitte enthalten viel Muschelsand und entstanden
durch Sturmfluten.
De blanke Hans - he givt und nimmt! sagt man auf den
Halligen.
Die Halligbewohner versuchen alles, um ihr kleines Eiland
mit Hilfe von Landgewinnung zu vergrößern. Erst vor gut hundert Jahren hat der Landverlust ein Ende. Die verbliebenen
Halligen erhalten Steinkanten, der Küstenschutz wird staatliche
Aufgabe.
Die Halligen besitzten in der Regel keine eigene Versorgung mit Süßwasser.
Das Trinkwasser wird bis weit in unsere Zeit allein aus Regenwasser
gewonnen.

AUS ALTER ZEIT - ERSTE MELDUNGEN
Die älteste Information, dass Menschen die Gegend des heutigen
Nordfriesland besiedelten, stammt von dem Griechen Pytheas von Massilia,
der um 330 v. Chr. die Nordsee befuhr. Guttonen gibt er an, getroffen
zu haben, die eine Schiffstagesreise von der Insel Abalus, möglicherweise
das heutige Helgoland, entfernt lebten. Abalus, schrieb der römische
Naturforscher und Admiral Plinius später, sei die Insel wohin
Bernstein […] durch die Fluten getrieben werde, die dortigen
Bewohner gebrauchten ihn als Holz zum Brennen und verkauften ihn
an die nächstliegenden Teutonen.
Bekannt
mag einem vorkommen, was Plinius der Ältere im Jahre 77 n.
Chr. über das Land der Chauken schreibt. Diese leben in den
Marschen des heutigen Ostfriesland bis zur Elbmündung, ihre
Lebensbedingungen ähneln wie die aller Marschbewohner, stark
dem kargen Leben auf den Halligen.
"Hier überflutet der Ozean zweimal binnen Tag und Nacht
in ausgebreiteter Flut einen unermeßlichen Landstrich und
verursacht einen ewigen Streit in der Natur, so daß man nicht
weiß, ob diese Gegend zum Land oder zum Meer gehört.",
schreibt Plinius, und weiter: "Ein armseliges Volk wohnt dort
auf hohen Hügeln oder mit Händen gemachten Erdhaufen,
welche die höchste bekannte Flut überragen. Wenn das Wasser
die umliegende Gegend bedeckt, sehen die Leute in ihren auf den
Hügeln erriczteten Häusern aus wie Schiffahrer, und wenn
es sich wieder verläuft, scheinen sie Schiffbruch gelitten
zu haben und machen Jagd auf die Fische, welche in der Gegend ihrer
Hütte mit dem Meer entfliehen wollen. Sie snd nicht so glücklich,
dass sie Vieh halten können wie ihre Nachbarn; ja, weil hier
weit und breit alles Gesträuch gleichsam vertrieben ist, so
haben sie nicht einmal Gelegenheit, die wilden Tiere anzugreifen.
Sie flechten Fäden aus Seegras und Sumpfbinsen, um Netze zu
haben, die sie den Fischen entgegenstellen können und trocknen
den mit Händen geformten Kot mehr beim Winde als in der Sonne.
Regenwasser, das sie vor ihren Wohnungen in Gruben aufbewahren,
ist ihr einziges Getränk."
Die Herstellung von Brennmaterial aus Kuhdung, die Ditten, und
das Auffangen von Regenwasser in einer großen Grube, dem Fething,
und im Soodbrunnen, sind auf den Halligen bis in die 1960er Jahre
üblich und notwendig.
HALLIGLAND-GALERIE:
Die Halligen erheben sich nur wenig über den Meeresboden. Hooge
Priele durchziehen die Halligen. Hooge
Das Wasser bestimmt das Aussehen der Halligen. Gröde
Die Warften erheben sich über die flache Marsch. Hooge.
Der Bewuchs hält das Halligland zusammen. Prielkante, Hooge.
Die Halligen sind eine einzigartige Landschaft. Gröde
Zerklüftet ist das Halligland. Gröde
Das Meer hinterläßt bei jedem Landunter seine Spuren. Gröde
Amphibische Landschaft. Gröde
Schwimmende Träume' hat Theodor Storm die Halligen genannt. Langeneß von Gröde gesehen
Früher war hier Halligland. Im Watt zwischen Hooge und Norderoog.
Bedrohtes Land im Meer. Habel.
An den Schichten kann man erkennen, dass die Hallig wächst. Hooge
Helle Schichten entstanden durch Sturmfluten. Hooge meldet nur bei schwereren Sturmfluten Land unter
Dunklere Schichten entstehen durch Sedimentation. Langeneß.
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