RINDER, FENNEN, MEEDELAND
- HALLIGBAUERN
Die
Landwirtschaft beschränkt sich auf Viehhaltung, in erster Linie
Rinder und Schafe Die zweite Hälfte der Landwirtschaft, der
Ackerbau, ist wegen der häufigen Landunter nicht möglich.
Auf Hooge unternimmt man zwar Versuche, in durch Sommerdeiche geschützten
Flächen Getreide anzubauen, doch ist dies nicht von Erfolg
gekrönt. Ein solcher Versuchskoog wird unter anderem südlich
von Ockenswarft angelegt, Reste sind bis heute zu erkennen.
Das Vieh wird damals übrigens bisweilen aus uralten Steinsärgen
getränkt, Noste nennt man sie auf Hooge. Sie stammen aus früherer
Besiedlung der Uthlande und sind teils römischen, teils germanischen
Ursprungs. Man kann sie hier und da auf den Halligen noch finden.

GLEICHES RECHT FÜR ALLE - DIE ALMENDE
Das Land wird jedes Jahr neu nach den komplizierten Regeln der
Almende verteilt; jeder Bauer erhält sein Land entsprechend
den unterschiedlichen Nutzungsanteilen an Fenneland zur Gräsung
und Heu- bzw. Meedeland, das heißt es gibt keinen festen Landeigentümer,
nur Landnutzer. Der Sinn der jährlichen Neuaufteilung liegt
darin, die Landverluste an den Halligufern durch Abbruch, durch
Übersandung oder Muschelbelag möglichst gerecht auf alle
Halligbauern zu verteilen.
Die
Ansprüche der einzelnen Parteien werden in Meede- und Fennenbüchern
festgehalten.
Genau festgelegt ist die Dauer der Weidezeit, die winterliche Weidefreiheit.
Festgelegt sind die Stückzahl des Viehs, die Berechtigung zum
Sammeln des Dungs zur Herstellung der Ditten als Heizmaterial.
Auch die Unterhaltung von Brücken und Stegen, die Strafgelder
bei Verstößen und die Einstellung von Viehhirten sind
exakt festgehalten.
Erst nach den Uferschutzmaßnahmen Ende des
19., Anfang des 20. Jahrhunderts haben die Landverluste ein Ende.
Und nun endet auch die Zeit der Almende, das Land wird erbliches
Eigentum der Bauern.
Die Heuernte beginnt immer am Johannistag, dem 24. Juni. Es kommen
zusätzlich Lohnknechte vom Festland oder den Inseln auf die
Hallig. Der Arbeitstag beginnt um drei Uhr morgens, um zwölf
Uhr ist Mittag, um halb sieben am Abend ist Feierabend. Das Heu
wird zum Einbringen in große Laken gepackt, die ersten ungefähr
500 Bünnen kommen auf den Heuboden, der Rest bleibt draußen
auf der Warft nahe der Stalltür. Überraschendes Landunter
während der Heuernte kann des Bauern Ruin bedeuten, denn sein
Vieh wird im Winter ausschließlich mit Heu ernährt. Kann
er kein Ersatzheu vom Festland zukaufen, muß er sein Vieh
verkaufen. Bis zum 24. August ist die Mahd in der Regel beendet,
nun kann auch das Meedeland zur Gräsung des Viehs genutzt werden.
GALERIE VON HEU UND MAHD
Heu Verladen, Hooge um 1930
Heu im Laken, Tadsenmuseum
Heudiemen, Hooge um 1930
Tür zum Heuboden, Tadsenmuseum

JÄGER, SAMMLER, STRANDRÄUBER – NAHRUNGSQUELLEN
AUF DER HALLIG
Es gibt auf den Halligen in der alten Zeit, die dort bis nach dem
zweiten Weltkrieg andauert, noch Quellen für Nahrung und Erwerb
neben Seefahrt und Viehzucht. Man mag zunächst vermuten, die
Halligleute widmeten sich der Fischerei. Aber eigentümlicherweise
wird der Fischfang auf den Halligen der Neuzeit nie Haupterwerbsquelle.
Es scheint eine recht lange Tradition des Widerwillens gegen die
gewerbsmäßige Fischerei zu geben, selbst die Watten-
und Küstenfischerei wird nur in beschränktem Ausmaß
für den Eigenbedarf betrieben.
Aus
dem 17. Jahrhundert ist der Fang von Rocheln bei Hallig Jordsand
überliefert, im 18. Jahrhundert wird von Schollen- und Buttfang
berichtet. Den Butt fängt man übrigens bis ins 20 Jahrhundert
mit der Hand oder einem Spieß, nachdem man ihn durch Trampeln,
das Buttpetten, aufgescheucht hat.
Den Butt fängt man auch mit Porrennetzen, zusammen mit Aal
und Taschenkrebs. Die Porren, so heißen auf den Halligen die
Krabben, fischen die Frauen zu Fuß mit Handnetzen.
Man sammelt die Sandklaffmuschel und züchtet bis ins 20 Jahrhundert
Austern. Um 1700 gab es 10 kartierte und befischte Austernbänke
im Wattenmeer, Ende des 19. Jahrhunderts über 50. Man spricht
bereits von Überfischung der Bänke vor Sylt. Im 20 Jahrhundert
gehen die meisten Austernbänke dann endgültig kaputt,
heute ist die Austerfischerei im Wattenmeer nicht mehr existent.
Die Schalen aller Arten gesammelter Muscheln werden als Zusatzerwerb
an Kalkbrennereien verkauft.
Auf den Bänken vor Hooge und Süderoog geht man auf Seehundjagd,
später auch als Attraktion für jagende Badegäste.
Man schießt den Seehund oder erschlägt ihn mit dem Knüppel.
Der Seehund wird bis in die zweite Hälfte des 20 Jahrhunderts
im Wattenmeer fast ausgerottet, aber es dauert bis 1973, bis die
Seehundjagd in Schleswig-Holstein ganz eingestellt wird.
Auch die Vogeljagd auf Enten und Gänse und die Eier diverser
Vogelarten bilden eine willkommene Ergänzung des Speiseplans.
Der Jäger geht mit Gewehr und Blendlaterne nachts auf Enten.
Es heißt man fängt die Tiere besonders gut bei Sturm
oder Regen.
Eine zusätzliche Einnahmequelle bilden Bernsteinfunde, doch
für eine gewerbsmäßige Sammeltätigkeit ist
die Gegend wohl nicht ergiebig genug, die Ostseeküste läuft
dem Wattenmeer den Rang ab.
GALERIE VON JAGD UND FISCHFANG
Porrenfischer 1900
Gliep, Tadsenmuseum
Seehunde
Watt bietet Nahrung.

EINE STRANDUNG
Die Halligleute sammeln auch Strandgut, mancher Balken in den alten
Hallighäusern stammt ursprünglich von einem Schiff. Wenn
ein Schiff strandet, wird alles geplündert, was sich irgendwie
fortschaffen und verwenden läßt. Und das ist nahezu alles.
Auch auf den Halligen betet man vermutlich eher im Stillen:
"Wir bitten dich, o Herr, zwar nicht,
dass Schiffe stranden und umkommen im Heulen
des Sturms und im Rasen der See –
aber wenn schon es Deinem Ratschluß gefällt,
sie stranden zu lassen, o Herr,
führe sie hier an den Strand –
zum Wohle der armen Bewohner dieser Küste."
Bis in unsere Zeit ist der Süderoogsand vor der gleichnamigen
Hallig eine gefährliche Strandungsstelle. Im April 1868 zum
Beispiel strandet dort das englische Vollschiff Elisabeth Catharina
von Lima, beladen mit Guano und Baumwolle.
Das Strandungsprotokoll vermeldet:
"Selbigen Sommer war hier auf Süderoog 2 Tage Auktion
von ca. 3000 Balken, 12 Ballen Baumwolle, 2 Tonnen Oel, 2 großen
Trossen, 7 Kisten mit Kleidungsstücken, 7 Säcken mit Kleidern,
einigen Paketen neuen Röcken und Hemden, Seekarten, Compassen,
18 Flaggen, Kochgerätschaften, 1 Kiste Zucker, 2 Kisten Bannenen-
und Melonensaft, 1 Kiste mit Chinesischem Elfenbein, Arm beiten
und Bücher, 1 Kiste mit Uhren und Uhrmachergerätschaften,
30 Tolli Bretter, 500 Pfund Kopfer, 5 Wracken und sonstigen Sachen."
Zur Seefahrerzeit wird auch viel Schmuggel betrieben, besonders
auf Hooge legen oft Schiffe an, deren Waren unter Umgehung der dänischen
Zollbehörden heimlich ans Festland gebracht werden.

FETHING, SOOD UND DITTENMACHEN – DAS ALTE HALLIGLEBEN
Halligen sind unbedeicht und werden häufig im Jahr überflutet.
Ohne die Warften wäre auf den Halligen kein Leben möglich.
Manche Warften tragen ein einzelnes Haus, manche wie zum Beispiel
Hanswarft auf Hooge, beinahe ein kleines Dorf. Die Warftplattform
wurde so klein wie möglich gehalten, denn die Aufschüttung
der Warften geschah mit Spaten und Schaufel und mußte vom
Besitzer selbst finanziert werden. Die meisten Warften sind auch
nach ihren Besitzern benannt.
FETHING UND SOODBRUNNEN
Halligen verfügen nicht über Süßwasserquellen,
daher ist die Versorgung mit Trinkwasser für Mensch und Vieh
seit jeher ein zentrales Problem.
Der
Bedarf von Mensch und Tier muß in der alten Zeit vollständig
über Niederschlagswasser gedeckt werde: Regen, Hagel oder Schnee.
Um das Regenwasser aufzufangen haben die Halligleute ein überaus
kluges System entwickelt.
Wenn eine neue Warft aufgeschüttet werden soll, steckt man
die geplante Lage für Fething, Trinkwasser-Sood und Fething-Sood
ab. Mit dem Aufwerfen der Erde wachsen Fething und Sood zugleich
mit, innen werden sie mit Grassoden, Holzplanken oder später
mit Ziegelsteinen ausgekleidet.
Der Trinkwasser-Sood ist verschließbar und wird ausschliesslich
vom Niederschlagswasser des Hausdachs gespeist, aus ihm bezieht
man den gesamten Wasserbedarf für den Haushalt.
Auf
den Halligen ist man bis weit in unsere Zeit sehr sparsam mit Süßwasser,
berichtet Siegfried Baudewig."Im Sommer badet man in der Nordsee,
im Winter reibt man sich mit Schnee ab, im kostbaren Süßwasser
wird nur zu besonderen Anlässen gebadet, erst Vater, dann Mutter,
zuletzt die Kinder."
Der Fething ist offen und fängt das Regenwasser für das
Vieh auf. Er ist immer mit einem Zaun umgeben, damit das Vieh nicht
hineinfällt, verendet und das gesamte Wasser verdirbt. Aus
dem Fething wird der Fething-Sood gespeist, aus dem dann das Vieh
getränkt wird.
Die Fethinge müssen regelmäßig vom Schlamm gereinigt
werden.
Siegfried Baudewig erzählt: "Wenn ein trockenes Jahr
ist und der Wasserpegel im Fething sinkt, nutzt der Bauer die Gelegenheit,
den Fething zu reinigen und den Schlamm zu entfernen. Dazu baut
man eine Bahn, möglichst gleitfähig und einen Schlitten
aus Holz. Im Fething schaufelt dann ein Mann den Schlamm in den
Schlitten, Pferde ziehen den Schlitten nach draußen und der
Schlamm wird die Warft hinuntergekippt. Reinigt man den Fething
nicht einigermaßen regelmäßig, wird er irgendwann
verschlammen und immer weniger Trinkwasser fassen."
Schlimm ist es, wenn eine Sturmflut die Warften überflutet
und das Wasser im Fething versalzt. Dann leiden Mensch und Tier
Durst, bis Frischwasser z.B. per Schiff geliefert wird. Für
den Notfall hat man früher auch oft große Tongefäße
mit Trinkwasser auf dem Boden, den Woarpot. Einen solchen Woarpot
kann man nachgefertigt im Tadsen-Museum auf Hallig Langeness sehen.
"Seit den Zwanziger Jahren kommt", sagt Siegfried Baudewig,"
in Notzeiten eine Wasserschute vom Festland und bringt Wasser für
Mensch und Tier in großen Tanks, die dann von den Halligleuten
in Handarbeit leergepumpt werden."
Auf den Warften kann man noch alte Fethinge sehen. Größere
Warften besitzen meist mehrere Fethinge. Heute ist ein Teil zugeschüttet,
um auf den Warften mehr Platz zu gewinnen, ein Teil dient als Löschwasserteiche.
GALERIE VON FETHING UND SOOD
Hooge, Feeding 1908
Nordmarsch, Feeding 1914
Fethingreinigung, Hooge 1949
Woarpot, Tadsenmuseum
Fething, Hooge
Fething, Hooge
Fething, Hooge
Soodbrunnen, Hooge

DAS HALLIGHAUS
Das
Hallighaus ist in der Regel etwas kleiner als das Friesenhaus auf
dem Festland oder den großen Inseln, denn der Platz auf der
Warft ist begrenzt. Aber wie dort vereint auch das aus Ziegeln und
Holz gebaute Hallighaus Wirtschaftsbereich und Wohnen unter einem
Dach.
Das durchschnittliche Hallighaus ist ungefähr acht Meter breit
und zwischen 10 und 20 Metern lang. Häufig werden zwei Häuser
mit den Schmalseiten unter ein einem gemeinsamen Reetdach aneinandergebaut.
Das Dach aus Reet ist weit herangezogen und ruht auf kräftigen
Eichenständern, die tief im Warftboden verankert werden. So
hält das tragende Gerüst auch im Fall einer Sturmflut
und kann für die Menschen auf dem Heuboden zur Rettung werden.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verläßt man zunehmend
diese Ständerbauweise. Jetzt vertraut man den dickeren Ziegelmauern,
auf die man die Dachbalken direkt legt. Erst in neuerer Zeit kehrt
man für die Schutzräume der Hallighäuser wieder zur
Ständerbauweise zurück. Die Haustür befindet sich
meist in der Mitte der Südfassade, die Fenster sind Sprossenfenster,
selten gibt es einen Spitzgiebel wie man ihn auf den Geestinseln
oft findet.
Innen sind die Hallighäuser recht ähnlich aufgeteilt.
Natürlich gibt es erhebliche Größenunterschiede,
je nachdem ob man das Haus einer armen Witwe oder das eines erfolgreichen
Kapitäns betritt.
Betritt man das Hallighaus durch die Tür auf der Südseite
gelangt man in die Diele. Die Diele verläuft quer durch die
Mitte des Hauses und trennt Stallungen vom Wohnbereich mit Küche,
Kammer, Döns (Stube) und Pesel. Die Häuser stehen immer
in West-Ost-Richtung auf der Warft, so das dem Wind nur die schmale
Seite dargeboten wurde. Der Wohnbereich befindet sich in dem Teil
des Hauses, der Wind und Wetter weniger ausgesetzt ist.
Gleich rechter Hand gelangt man in eine kleine Stube, direkt dahinter
in den Stall. Die Gülle aus dem Stall läuft direkt über
die Gröppe in den Pottstall, wird dort gesammelt und im Frühjahr
für die Dittenherstellung verwandt.
Geradeaus kommt man in die Küche, die vom großen Herd
dominiert wird. Vor dem Herd das Gastelloch, eine Vertiefung im
Boden, die es der Hausfrau erlaubt, sitzend, den tiefgelegenen Backofen
zu bedienen. Hinter der Küche natürlich die Speisekammer.
Verläßt man die Diele nach links, gelangt man ebenfalls
in eine Stube, dahinter in den Pesel, die Festtagsstube. Davon abgehend
die Kammer mit Betten. In den Wänden der Stube wie auch des
Pesels finden sich Alkoven, Wandbetten, angeordnet um das Zentrum
des hauses, den wärmsten Ort. Von der kammer gelangt man wieder
in die Küche und von dort in die Diele. Das Tadsen-Museum auf
Hallig Langeneß bietet die Möglichkeit zu einem Rundgang
durch ein komplett als Museum hergerichtetes altes Kapitänshaus.
GALERIE VOM HALLIGHAUS
Teil eins - außen:
Hallighaus, Hooge
Ockenswarft, Hooge, 1910
Königspesel, Hooge, 1930
Hallighaus, Oland, 1900
Gertsenhaus, Langeness
Nordmarsch, Haus Tadsen 1924
Reetdachdecker, Hooge, 1958
Reetdach, Hooge, 1980
Harlies Hus, Hooge
Königspesel, Hooge
Hallighaus, Hooge
Teil zwo - innen:
Hooge, Diele 1924
Stall, Tadsenmuseum
Heubündel, Tadsenmuseum
Museumsküche, Tadsenmuseum
Museumsküche, Tadsenmuseum
Wanddekoration, Hooge
Alkoven, Tadsenmuseum
Petroleumlampe, Tadsenmuseum
Alkoven, Hooge, Museum.
Tür. Hooge, Museum.
Eckschrank, Hooge
Fußwärmer, Hooge

DIE HALLIGTRACHT
Die Trachten der Halligfrauen unterscheiden sich lange von denen auf den Inseln und am Festland.
Es gibt nicht – wie auf den Inseln – eine andere Tracht für den jeweiligen Anlass, sondern es
eine Festtagstracht. Die aber bestand bereits seit dem Mittelalter und wurde um die Mitte
des 19. Jahrhunderts das Vorbild der heutigen Friesentracht.
Die
vielfältigen Trachten waren den Mädchen und Frauen vorbehalten.
Die Festtagskleidung der Männer war allgemeiner, nicht speziell
nordfriesisch, hauptsächlich von Holland beeinflusst. Lorenz
Lorenzen von Nordmarsch schrieb um 1750 „bestanden die alltäglichen
Seekleider der Männer aus weiten Pluderhosen von Segeltuch,
einem brauen, kurzen Kollert, einem hohen holländischen Hut
mit zwey Finger breitem Rand und einem Paar weiten Stiefeln. Feiertags
wurden kleine Cantorröcke und Kleider aus bunten holländischen
Laken getragen“.
Die Halligfrauen trugen eine „von Alters her gebräuchliche Tracht, die so artig nach dem Leibe geschnitten,
dass wenig überflüssiges daran zu finden war.“ Die Kopfbedeckung der Mädchen war eine seidene
Mütze, mit einem zwei Finger breiten Rand gesäumt und mit einem Schleifenband unter dem Kinn gehalten.
Verheiratete Frauen trugen unter dieser Mütze eine weiße Haube und darüber ein Schwarzes Samttuch,
Stikkels gebannt.
Das Kleid war ein langes Futterhemd, die Ärmel lang bis zum
Handgelenk und vorn offen. Über der Brust trug man einen zierlichen
Latz. Vor der Brust wurde eine lange silberne Kette mit Medaillen
und Silberschmuck hin- und hergespannt. Ein blauer Überrock
mit blauer Schürze vervollständigte die Tracht.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann sich von Föhr eine neue Tracht auszubreiten, die alle vorherigen
nach und nach ablöste. Heute besteht auch die Halligtracht aus einem Oberteil und einem langen schwarzen Rock,
dazu eine weiße Schürze. Dazu trägt man ein Schultertuch mit Fransen und ein turbanartiges Kopftuch.
Wichtiger Bestandteil sind die Filigranknöpfe aus Silber, der medaillonartige Schürzenhaken und vor
allen Dingen die Brustkette aus mehreren Ketten. An die Ketten wurden Medaillen und Münzen gehängt.
Auch diese Tracht drohte zu verschwinden, doch gerade in letzter Zeit besinnen sich gerade junge Frauen
von den Halligen wieder auf ihre Traditionen.
GALERIE DER HALLIGTRACHT:
Alltagstracht Hooge 1914
Hooge, Friesin in Tracht 1914
Nordfriesische Tracht
Moderne Halligfrau in Tracht
Schmuck einer Halligtracht, Tadsenmuseum.

SELBSTVERSORGUNG AUF DER HALLIG
Auf
den Halligen gibt es weniger Handwerker als auf dem Festland, in
erster Linie Holzhandwerker, Zimmerer, auch Schiffszimmerleute und
Bootsbauer. Die Halligmenschen machen möglichst alles selbst,
was ihnen ein erhebliches Maß an Autonomie und Findigkeit
einbringt.
Es gibt auch keine Ärzte auf den Halligen, der nächste
Arzt praktiziert auf Amrum oder Föhr. Der gesundheitliche Preis
für das Halligleben ist oft auch hoch, viele Kinder starben
an banalen Infektionen und die Alten litten wegen der feuchten Behausungen
oft an Rheuma.
Jeder, früher sogar der Pastor, hält Vieh. "2 Kühe,
10 Schafe sind das Mindeste", sagt Siegried Baudewig, darunter
lohne es nicht. "Jeder hält auch Hühner für
die Eier". Im Winter wird die Wolle der Schafe gesponnen. Man
verkauft in guten Jahren auch Lämmer, ansonsten findet die
Wolle der Halligschafe Abnehmer. Schafwäsche und Schur finden
meist um Pfingsten herum statt. Einen kleinen Teil der Wolle behalten
die Halligfrauen, um daraus für den Eigenbedarf zu arbeiten.Die
Halligfrauen stricken Pullover, Mützen, Handschuhe, fast alles.
Eine Hallig ist damals im Prinzip völlig autark, lediglich
Getreide wird angekauft, ungemahlen. Jeder Haushalt besitzt eine
Handmühle für den eigenen Bedarf und es gibt auf jeder
Hallig mehere Bockmühlen für größere Mengen.
Auch Luxusgüter wie Tee, Schnaps und Tabak wierden am Festland
eingekauft.
Es gibt lange keine regelmäßige Verbindung zum Festland,
nur kleine Boote fahren unregelmäßig, der regelmäßige
Einkauf auf dem Festland ist eine verhältnismäßig
neue Entwicklung.
GALERIE VON VIEH UND SELBSTVERSORGUNG
Teil eins - Viehhaltung:
Vieh, Oland 1895
Ack, Hooge 1910
Hilligenley, Langeness 1915
Teil zwo - Selbstversorgung
Zimmermannswerkzeuge, Hooge
Landmannswerkzeuge, Hooge
Aalfang im Priel, Hooge
Spinnrad um 1900
Buttern um 1970
Butterfaß, Tadsenmuseum
Bockmühle, Hooge 1906
Mühlstein, Hooge

DITTEN - WÄRME AUS DUNG
Selbst
das Heimaterial stellen die Halligleute in früherer Zeit selbst
her. Wo es keine Bäume gibt und keine Kohle, behilft man sich
anders. Auf den Halligen verwednet man Ditten zum Backen, Kochen
und Heizen. Ditten sind aus trockenem Kuh- und Schafsdung. Der Kuhdung
wird den Winter über im Pottstall gesammelt, einem ummauerten
Viereck an der Stalltür.
Im Frühjahr wird die gesamte
Masse auf dem sonnenseitigen Warfthang ausgebreitet, von den Kindern
zu einer Ebene zusammengetreten, mit dem Dittenstamper weiter geglättet
und trocknet dann im hoffentlich sonnigen, windigen Wetter. Nach
10 Tagen bis drei Wochen, je nach Wetterlage, kann die Masse mit
dem Dittenpricker, einem viereckigen Holzspaten, speziell zu diesem
Zeck gemacht, in quadratische Stücke geschnitten und gewendet
werden. Das Wenden erfordert einige Übung.
Anschließend
legt man die Stücke ziegelartig übereinander und läßt
sie bis Pfingsten weitertrocknen. Danach kann man die Ditten, die
jetzt hart und völlig geruchlos sind, auf dem Dachboden stapeln.
Der Jahresbedarf liegt ungefähr bei 15 bis 20000 Ditten pro
Haushalt, das entspricht dem Mist von drei, vier Kühen.
DITTEN
Ditten stechen, Hooge 1941
Dittenpricker, Tadsenmuseum
Ditten trocknen, Hooge, 1914

WEG UND STEG
In
den alten Zeiten ist die Hallig weglos, Vieh, Waren oder Heu wird
über die Fenne transportiert.
So genannte Stöcke überspannen die Priele, schmale Brücken,
deren Höhe und gebogene Form nötig sind, damit Boote mit
Heu darunter durchpassten.
Nachbauten kann der Halliggast heute noch sehen.
"Man treibt auch die Schafe über die Stöcke, will
man Rinder treiben, muss man Umwege in Kauf nehmen, denn",
erzählt Siegfried Baudewig, "kein Rind läßt
sich über einen derart schmalen Weg treiben. Es kann auch geschehen,
erzählt er weiter, dass sich zwei Schafherden auf dem Stock
treffen. Dann muss ein Hirte Schaf für Schaf mühsam einzeln
vom Stock tragen, denn auf dem Stock kann auch das Schaf nicht rückwärts
gehen."
Die
Warften befinden sich in der Regel in der Nähe der Priele.
In der alten Zeit sind die Priele schiffbar.
Mit flachen Booten transportieren die Halligleute auf ihnen alles,
was Haushalt und Landwirtschaft bedürfen: das Heu, Schafe oder
Wolle zum Verkauf, eingekaufte Waren vom Festland, alles, was an
der Halligkante angelandet wird oder verschifft werden soll, findet
seinen Weg über die Priele.
Doch die Priele bieten auch Gefahren.
Das erste Kind des Hooger Pastor Anton Wilhelm Conrad Schmidt ertrank
1823 "im großen Schlote bey der Kirche durch ein schreckliches
Verhängnis des Allerhöchsten in einem Alter von 3 ¾
Jahren."
Erst im 20 Jahrhundert gibt es Wege auf der Hallig und feste Brücken
über die Priele.
Siegfried Baudewig berichtet: "In den dreissiger Jahren des letzten
Jahrhunderts legen Männer von Reichsarbeitsdienst erste feste
Wege auf Hooge an, zunächst nur um die Warften. Die anderen
Wege bleiben bis in die fünfziger Jahre unbefestigt. Der Reichsarbeitsdienst
legt auch schnurgerade Gräben längs der Wege und zwischen
den Fennen an. Sie dienen zur Entwässerung."
GALERIE VON WEG UND STEG
Teil eins - Priel:
Blick über Hooge, 1914
Gröde 1895
Priel, Hooge, 1930
Priel, Hooge
Hooge 1906
Teil zwo - Stock und Steg:
Schafe auf dem Stock
Priel mit Steg, Hooge 1908
Hooge 1911
Nachgebauter Stock, Hooge
Teil drei - Straße:
Reichsarbeitsdienst, Hooge, 1936-41
Straße, Hooge
Straße, Langeness
Priel, Hooge

ALS ES BEINAHE ZU ENDE GING - DIE HALLIGFLUT VON 1825
Am Abend des 3. Februar weht es nicht so stark, dass jemand mit
der Möglichkeit einer hohen Flut rechnet, noch abends um 7
Uhr gehen Leute von einer Warft zur anderen oder zur Halligkante.
Doch dann kommt das Wasser. So schnell, daß Konrad Petersen,
Ipke Johannsen und Bandick Boysen vom Ufer nicht nach Lorenzwarft
zurückkehren können sondern nach Ockelützwarft flüchten.
Das Wasser steigt so schnell bis in die Häuser, dass man auf
Ipkenswarft die Kinder halb bekleidet auf den Boden schaffen muss.
Auf Volkertswarft ertrinkt eine alte Frau, weil ihr Sohn, der eine
Kuh ins höher gelegene Nachbarhaus gebracht hatte, nicht mehr
zu ihr zurück kann. Auf Mitteltritt flüchtet eine Frau
mit zwei kleinen Kindern durch das Fenster ins höhere Nachbarhaus.
August Carlsens Haus auf Lorenzwarft stürzt bis auf das westliche
Fachwerk ein, aber niemand ertrinkt. Auf Pohnswarft, liest man,
ertrinken die Bewohner angeblich in ihren Betten. Siegfried Baudewig
sagt, "niemand ist damals im Bett ertrunken, kein Halligfriese
liegt bei Sturmflut ruhig in seinem Bett." Die Bewohner, berichtet
er, hätten zum Teil überlebt, die Häuser hingegen
seien stark zerstört worden.
Der damalige Hooger Pastor Anton Wilhelm Conrad Schmidt notiert
seine Eindrücke dieser Flut:
"In
der Nacht zwischen dem 3ten und 4ten Febr., wie bei Menschengedenken
nicht existiert hat. 3 Warften – Klein- und Großsüderwarft
und Fedder-Bandixwarft – sind gänzlich mit ihren Wohnungen
und Bewohnern untergegangen. Außerdem sind die 5 westlichen
Warften größtenteils zertrümmert, und 7 Wohnungen
außerdem gänzlich von Grund aus zernichtet. Von 85 Wohnungen
sind 6 oder 7 ganz schadenfrey geblieben, und 20 sind höchtens
bewohnbar. 25 Menschen haben hier in Einer Schreckensnacht das Leben
eingebüßt, davon sind 5 im Bette ertrunken, die übrigen
20 mit ihren Wohmungen vergangen. Die Gemeine ist nun zerrüttet.
Viele, die wohlhabensten, entfliehen und manche gehen, so bald sie
können. Die folgen dieser Fluth sind traurig. Die Halligen
gehen, wenn das so fortgeht, was Gott verhüte, ganz ein. Viele
haben alles verloren, sind zerrüttet. Hunger und Durst hätten
manchen schrecklich gequält, wenn nicht Nachbargemeinden sich
der Halligen angenommen und Proviant zur weisen Verteilung unter
die Bedürftigen gesandt hätten. Viel Vieh, groß
und klein, ist ertrunken und in den Häusern erschlagen. Die
Vorsehung hat sich hier auf einmal schrecklich gezeigt zur Demüthigung
und Erhebung. Sie sey uns gnädig und sende uns keine solche
Fluth wieder."
Am Tag vor der Sturmflut wird des Pastors Frau von ihrem dritten
Kind entbunden, das Kind ist kaum einen Tag alt, als sich der Pastor
und seine Frau mit dem Neugeborenen schon vor der Flut auf den Heuboden
retten müssen. Der Hausrat des Pastors treibt davon, die Westwand
der Kirche wird eingerissen, Särge werden aus ihren Gräbern
gespült. Sie werden später auf Pellworm angetrieben und
bei der alten Kirche beigesetzt.
Sämtliche
Einwohner auf Groß- und Klein-Süderwarft, Fedder-Bandixwarft
und ein großer Teil der Bewohner von Pohnswarft sind ertrunken.
Es bietet sich ein Bild der Verwüstung. Mauern sind fast überall
eingestürzt, totes Vieh liegt herum. Auf Hanswarft gibt es
am wenigsten Schaden. Als Leute von Hanswarft nach Mitteltritt kommen,
sitzen die Bewohner noch auf dem Boden, sie können nicht herunter,
und rufen verzweifelt nach Wasser.
74 von 937 Menschen auf den Halligen und 260 Stück Vieh ertrinken,
auf Südfall ertrinken vier Familien, von den Häusern bleibt
kaum eine Spur. Von 339 Häusern auf den Halligen sind 233 so
zerstört, dass sie unbewohnbar sind und neu gebaut werden müssen.
Von Wyk auf Föhr und Husum fahren Boote das erste Trinkwasser
und Proviant auf die Halligen, deren Fethinge versalzen sind. 270
Menschen flüchteten nach Föhr, aufs Festland nach Ockholm
oder wandern nach Amerika aus. Auf den Halligen bleiben 162 Familien
mit 629 Personen.
Auf
Norderoog, das zu Hooge gehört, kann sich die Familie auf dem
Boden retten, das Haus ist aber vollkommen zerstört. Norderoog
wird nicht wieder besiedelt. Die westlichen Warften auf Hooge werden
zum großen Teil zertrümmert, Pohnswarft wird so zerstört,
daß kein neues Haus gebaut wurde, Ipkens- und Volkerstwarft
bleiben weiter bewohnt, Westerwarft bleibt von Mitte des 19. bis
weit ins 20. Jahrhundert unbewohnt. auf Groß- und Klein-Süderwarft,
Fedder-Bandixwarft sind unwiderbringlich zerstört, sie liegen
schon vor der Flut ganz am Rande der Hallig, heute liegen ihre Reste
weit südlich der Halligkante.
Nach der Sturmflut will sich der dänische König Frederik
VI. ein Bild von der Lage machen, wegen ungünstigen Wetters
muß er eine Nacht auf Hooge verweilen:
"Den 2ten Juli des 1825ten Jahres 3 ½ Uhr kamen Se.
Majestät der König Friedrich VI. von Pellworm hier an
mit seiner Suite – dem Hofmarschall Hauck, dem Generalmajor
von Bülow, dem Kammerherrn von Gössel und dem Major Ewald
– besah die zertrümmerten Wohnungen in der Nähe
und Ferne auf Ockenswarft und Hanswarft und bezeugte herzliche Teilnahme.
Er logierte bei der Wittwe Stienke A. B. Hansen (Edleffs) auf der
Hanswarft, in dem schönsten Haus der Insel. Se. Majestät
mußte den 2ten Juli hier über bleiben, da der Wind heftig
aus Nordwest blies und die niedrigen Stellen unter Wasser gesetzt
wurden, so daß der König einen Begriff von dem Schicksal
der Halligen in dieser Hinsicht erhielt. Am folgenden Tage, dem
3ten Juli des Nachmittags um 2 Uhr, fuhren Se. Majestät von
hier nach Föhr. Bei seiner Ankunft und seiner Abfahrt wurde
er mit Jubel empfangen und entlassen. Er selbst rief zuletzt ein
dreifaches Hurrah. Vorteilhaft möge dieser Besuch für
unsere Insel sein."
Der König nächtigt im Alkoven, dem Wandbett, im nach
diesem Besuch Königspesel genannten Raum. Man kann
Raum und Alkoven noch heute auf Hanswarft besichtigen.
Die
große Sturmflut zerstört die Westwand der Hooger Kirche.
König Frederik VI stiftet das für die Erneuerung notwendige
Geld. Die Erinnerungstafel über der südlichen Kirchentür
und die dänische Fregatte an der Decke erinnern daran. Das
Kruzifix an der Südseite der Kirche erinnert ebenfalls an diese
Flut. Es stammt vom Anfang des 16. Jahrhunderts, treibt aber nach
der Flut 1825 auf Hooge an.
Hilfe und Spenden für die Opfer der Flut kommen vor allem
aus Husum, dort wird ein Hilfsverein gegründet, der für
die notleidende Halligbevölkerung sammelte. Insgesamt kommen
über 40000 Reichstaler zusammen. Es gibt im Königreich
Dänemark eine vom König angeordnete Kollekte und Haussammlung.
Planmäßige staatliche Hilfe bleibt jedoch aus.
Angesichts der Verwüstungen wird diskutiert, die Halligen
aufzugeben und unbewohnt zu lassen.
|