Geschichte
 

RINDER, FENNEN, MEEDELAND - HALLIGBAUERN

Die Landwirtschaft beschränkt sich auf Viehhaltung, in erster Linie Rinder und Schafe Die zweite Hälfte der Landwirtschaft, der Ackerbau, ist wegen der häufigen Landunter nicht möglich.

Auf Hooge unternimmt man zwar Versuche, in durch Sommerdeiche geschützten Flächen Getreide anzubauen, doch ist dies nicht von Erfolg gekrönt. Ein solcher Versuchskoog wird unter anderem südlich von Ockenswarft angelegt, Reste sind bis heute zu erkennen.

Das Vieh wird damals übrigens bisweilen aus uralten Steinsärgen getränkt, Noste nennt man sie auf Hooge. Sie stammen aus früherer Besiedlung der Uthlande und sind teils römischen, teils germanischen Ursprungs. Man kann sie hier und da auf den Halligen noch finden.

GLEICHES RECHT FÜR ALLE - DIE ALMENDE

Das Land wird jedes Jahr neu nach den komplizierten Regeln der Almende verteilt; jeder Bauer erhält sein Land entsprechend den unterschiedlichen Nutzungsanteilen an Fenneland zur Gräsung und Heu- bzw. Meedeland, das heißt es gibt keinen festen Landeigentümer, nur Landnutzer. Der Sinn der jährlichen Neuaufteilung liegt darin, die Landverluste an den Halligufern durch Abbruch, durch Übersandung oder Muschelbelag möglichst gerecht auf alle Halligbauern zu verteilen.

Die Ansprüche der einzelnen Parteien werden in Meede- und Fennenbüchern festgehalten.

Genau festgelegt ist die Dauer der Weidezeit, die winterliche Weidefreiheit. Festgelegt sind die Stückzahl des Viehs, die Berechtigung zum Sammeln des Dungs zur Herstellung der Ditten als Heizmaterial.

Auch die Unterhaltung von Brücken und Stegen, die Strafgelder bei Verstößen und die Einstellung von Viehhirten sind exakt festgehalten.

Erst nach den Uferschutzmaßnahmen Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts haben die Landverluste ein Ende. Und nun endet auch die Zeit der Almende, das Land wird erbliches Eigentum der Bauern.

Die Heuernte beginnt immer am Johannistag, dem 24. Juni. Es kommen zusätzlich Lohnknechte vom Festland oder den Inseln auf die Hallig. Der Arbeitstag beginnt um drei Uhr morgens, um zwölf Uhr ist Mittag, um halb sieben am Abend ist Feierabend. Das Heu wird zum Einbringen in große Laken gepackt, die ersten ungefähr 500 Bünnen kommen auf den Heuboden, der Rest bleibt draußen auf der Warft nahe der Stalltür. Überraschendes Landunter während der Heuernte kann des Bauern Ruin bedeuten, denn sein Vieh wird im Winter ausschließlich mit Heu ernährt. Kann er kein Ersatzheu vom Festland zukaufen, muß er sein Vieh verkaufen. Bis zum 24. August ist die Mahd in der Regel beendet, nun kann auch das Meedeland zur Gräsung des Viehs genutzt werden.

GALERIE VON HEU UND MAHD
Heu Verladen, Hooge um 1930
Heu im Laken, Tadsenmuseum
Heudiemen, Hooge um 1930
Tür zum Heuboden, Tadsenmuseum
JÄGER, SAMMLER, STRANDRÄUBER – NAHRUNGSQUELLEN AUF DER HALLIG

Es gibt auf den Halligen in der alten Zeit, die dort bis nach dem zweiten Weltkrieg andauert, noch Quellen für Nahrung und Erwerb neben Seefahrt und Viehzucht. Man mag zunächst vermuten, die Halligleute widmeten sich der Fischerei. Aber eigentümlicherweise wird der Fischfang auf den Halligen der Neuzeit nie Haupterwerbsquelle. Es scheint eine recht lange Tradition des Widerwillens gegen die gewerbsmäßige Fischerei zu geben, selbst die Watten- und Küstenfischerei wird nur in beschränktem Ausmaß für den Eigenbedarf betrieben.

Aus dem 17. Jahrhundert ist der Fang von Rocheln bei Hallig Jordsand überliefert, im 18. Jahrhundert wird von Schollen- und Buttfang berichtet. Den Butt fängt man übrigens bis ins 20 Jahrhundert mit der Hand oder einem Spieß, nachdem man ihn durch Trampeln, das Buttpetten, aufgescheucht hat.

Den Butt fängt man auch mit Porrennetzen, zusammen mit Aal und Taschenkrebs. Die Porren, so heißen auf den Halligen die Krabben, fischen die Frauen zu Fuß mit Handnetzen.

Man sammelt die Sandklaffmuschel und züchtet bis ins 20 Jahrhundert Austern. Um 1700 gab es 10 kartierte und befischte Austernbänke im Wattenmeer, Ende des 19. Jahrhunderts über 50. Man spricht bereits von Überfischung der Bänke vor Sylt. Im 20 Jahrhundert gehen die meisten Austernbänke dann endgültig kaputt, heute ist die Austerfischerei im Wattenmeer nicht mehr existent.

Die Schalen aller Arten gesammelter Muscheln werden als Zusatzerwerb an Kalkbrennereien verkauft.

Auf den Bänken vor Hooge und Süderoog geht man auf Seehundjagd, später auch als Attraktion für jagende Badegäste. Man schießt den Seehund oder erschlägt ihn mit dem Knüppel. Der Seehund wird bis in die zweite Hälfte des 20 Jahrhunderts im Wattenmeer fast ausgerottet, aber es dauert bis 1973, bis die Seehundjagd in Schleswig-Holstein ganz eingestellt wird.

Auch die Vogeljagd auf Enten und Gänse und die Eier diverser Vogelarten bilden eine willkommene Ergänzung des Speiseplans. Der Jäger geht mit Gewehr und Blendlaterne nachts auf Enten. Es heißt man fängt die Tiere besonders gut bei Sturm oder Regen.

Eine zusätzliche Einnahmequelle bilden Bernsteinfunde, doch für eine gewerbsmäßige Sammeltätigkeit ist die Gegend wohl nicht ergiebig genug, die Ostseeküste läuft dem Wattenmeer den Rang ab.

GALERIE VON JAGD UND FISCHFANG
Porrenfischer 1900
Gliep, Tadsenmuseum
Seehunde
Watt bietet Nahrung.
EINE STRANDUNG

Die Halligleute sammeln auch Strandgut, mancher Balken in den alten Hallighäusern stammt ursprünglich von einem Schiff. Wenn ein Schiff strandet, wird alles geplündert, was sich irgendwie fortschaffen und verwenden läßt. Und das ist nahezu alles. Auch auf den Halligen betet man vermutlich eher im Stillen:

"Wir bitten dich, o Herr, zwar nicht,
dass Schiffe stranden und umkommen im Heulen
des Sturms und im Rasen der See –
aber wenn schon es Deinem Ratschluß gefällt,
sie stranden zu lassen, o Herr,
führe sie hier an den Strand –
zum Wohle der armen Bewohner dieser Küste."

Bis in unsere Zeit ist der Süderoogsand vor der gleichnamigen Hallig eine gefährliche Strandungsstelle. Im April 1868 zum Beispiel strandet dort das englische Vollschiff Elisabeth Catharina von Lima, beladen mit Guano und Baumwolle.

Das Strandungsprotokoll vermeldet:

"Selbigen Sommer war hier auf Süderoog 2 Tage Auktion von ca. 3000 Balken, 12 Ballen Baumwolle, 2 Tonnen Oel, 2 großen Trossen, 7 Kisten mit Kleidungsstücken, 7 Säcken mit Kleidern, einigen Paketen neuen Röcken und Hemden, Seekarten, Compassen, 18 Flaggen, Kochgerätschaften, 1 Kiste Zucker, 2 Kisten Bannenen- und Melonensaft, 1 Kiste mit Chinesischem Elfenbein, Arm beiten und Bücher, 1 Kiste mit Uhren und Uhrmachergerätschaften, 30 Tolli Bretter, 500 Pfund Kopfer, 5 Wracken und sonstigen Sachen."

Zur Seefahrerzeit wird auch viel Schmuggel betrieben, besonders auf Hooge legen oft Schiffe an, deren Waren unter Umgehung der dänischen Zollbehörden heimlich ans Festland gebracht werden.

FETHING, SOOD UND DITTENMACHEN – DAS ALTE HALLIGLEBEN

Halligen sind unbedeicht und werden häufig im Jahr überflutet. Ohne die Warften wäre auf den Halligen kein Leben möglich. Manche Warften tragen ein einzelnes Haus, manche wie zum Beispiel Hanswarft auf Hooge, beinahe ein kleines Dorf. Die Warftplattform wurde so klein wie möglich gehalten, denn die Aufschüttung der Warften geschah mit Spaten und Schaufel und mußte vom Besitzer selbst finanziert werden. Die meisten Warften sind auch nach ihren Besitzern benannt.

FETHING UND SOODBRUNNEN

Halligen verfügen nicht über Süßwasserquellen, daher ist die Versorgung mit Trinkwasser für Mensch und Vieh seit jeher ein zentrales Problem.

Der Bedarf von Mensch und Tier muß in der alten Zeit vollständig über Niederschlagswasser gedeckt werde: Regen, Hagel oder Schnee. Um das Regenwasser aufzufangen haben die Halligleute ein überaus kluges System entwickelt.

Wenn eine neue Warft aufgeschüttet werden soll, steckt man die geplante Lage für Fething, Trinkwasser-Sood und Fething-Sood ab. Mit dem Aufwerfen der Erde wachsen Fething und Sood zugleich mit, innen werden sie mit Grassoden, Holzplanken oder später mit Ziegelsteinen ausgekleidet.

Der Trinkwasser-Sood ist verschließbar und wird ausschliesslich vom Niederschlagswasser des Hausdachs gespeist, aus ihm bezieht man den gesamten Wasserbedarf für den Haushalt.

Auf den Halligen ist man bis weit in unsere Zeit sehr sparsam mit Süßwasser, berichtet Siegfried Baudewig."Im Sommer badet man in der Nordsee, im Winter reibt man sich mit Schnee ab, im kostbaren Süßwasser wird nur zu besonderen Anlässen gebadet, erst Vater, dann Mutter, zuletzt die Kinder."

Der Fething ist offen und fängt das Regenwasser für das Vieh auf. Er ist immer mit einem Zaun umgeben, damit das Vieh nicht hineinfällt, verendet und das gesamte Wasser verdirbt. Aus dem Fething wird der Fething-Sood gespeist, aus dem dann das Vieh getränkt wird.

Die Fethinge müssen regelmäßig vom Schlamm gereinigt werden.

Siegfried Baudewig erzählt: "Wenn ein trockenes Jahr ist und der Wasserpegel im Fething sinkt, nutzt der Bauer die Gelegenheit, den Fething zu reinigen und den Schlamm zu entfernen. Dazu baut man eine Bahn, möglichst gleitfähig und einen Schlitten aus Holz. Im Fething schaufelt dann ein Mann den Schlamm in den Schlitten, Pferde ziehen den Schlitten nach draußen und der Schlamm wird die Warft hinuntergekippt. Reinigt man den Fething nicht einigermaßen regelmäßig, wird er irgendwann verschlammen und immer weniger Trinkwasser fassen."

Schlimm ist es, wenn eine Sturmflut die Warften überflutet und das Wasser im Fething versalzt. Dann leiden Mensch und Tier Durst, bis Frischwasser z.B. per Schiff geliefert wird. Für den Notfall hat man früher auch oft große Tongefäße mit Trinkwasser auf dem Boden, den Woarpot. Einen solchen Woarpot kann man nachgefertigt im Tadsen-Museum auf Hallig Langeness sehen.

"Seit den Zwanziger Jahren kommt", sagt Siegfried Baudewig," in Notzeiten eine Wasserschute vom Festland und bringt Wasser für Mensch und Tier in großen Tanks, die dann von den Halligleuten in Handarbeit leergepumpt werden."

Auf den Warften kann man noch alte Fethinge sehen. Größere Warften besitzen meist mehrere Fethinge. Heute ist ein Teil zugeschüttet, um auf den Warften mehr Platz zu gewinnen, ein Teil dient als Löschwasserteiche.

GALERIE VON FETHING UND SOOD
Hooge, Feeding 1908
Nordmarsch, Feeding 1914
Fethingreinigung, Hooge 1949
Woarpot, Tadsenmuseum
Fething, Hooge
Fething, Hooge
Fething, Hooge
Soodbrunnen, Hooge
DAS HALLIGHAUS

Das Hallighaus ist in der Regel etwas kleiner als das Friesenhaus auf dem Festland oder den großen Inseln, denn der Platz auf der Warft ist begrenzt. Aber wie dort vereint auch das aus Ziegeln und Holz gebaute Hallighaus Wirtschaftsbereich und Wohnen unter einem Dach.

Das durchschnittliche Hallighaus ist ungefähr acht Meter breit und zwischen 10 und 20 Metern lang. Häufig werden zwei Häuser mit den Schmalseiten unter ein einem gemeinsamen Reetdach aneinandergebaut.

Das Dach aus Reet ist weit herangezogen und ruht auf kräftigen Eichenständern, die tief im Warftboden verankert werden. So hält das tragende Gerüst auch im Fall einer Sturmflut und kann für die Menschen auf dem Heuboden zur Rettung werden.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verläßt man zunehmend diese Ständerbauweise. Jetzt vertraut man den dickeren Ziegelmauern, auf die man die Dachbalken direkt legt. Erst in neuerer Zeit kehrt man für die Schutzräume der Hallighäuser wieder zur Ständerbauweise zurück. Die Haustür befindet sich meist in der Mitte der Südfassade, die Fenster sind Sprossenfenster, selten gibt es einen Spitzgiebel wie man ihn auf den Geestinseln oft findet.

Innen sind die Hallighäuser recht ähnlich aufgeteilt. Natürlich gibt es erhebliche Größenunterschiede, je nachdem ob man das Haus einer armen Witwe oder das eines erfolgreichen Kapitäns betritt.

Betritt man das Hallighaus durch die Tür auf der Südseite gelangt man in die Diele. Die Diele verläuft quer durch die Mitte des Hauses und trennt Stallungen vom Wohnbereich mit Küche, Kammer, Döns (Stube) und Pesel. Die Häuser stehen immer in West-Ost-Richtung auf der Warft, so das dem Wind nur die schmale Seite dargeboten wurde. Der Wohnbereich befindet sich in dem Teil des Hauses, der Wind und Wetter weniger ausgesetzt ist.

Gleich rechter Hand gelangt man in eine kleine Stube, direkt dahinter in den Stall. Die Gülle aus dem Stall läuft direkt über die Gröppe in den Pottstall, wird dort gesammelt und im Frühjahr für die Dittenherstellung verwandt.

Geradeaus kommt man in die Küche, die vom großen Herd dominiert wird. Vor dem Herd das Gastelloch, eine Vertiefung im Boden, die es der Hausfrau erlaubt, sitzend, den tiefgelegenen Backofen zu bedienen. Hinter der Küche natürlich die Speisekammer.

Verläßt man die Diele nach links, gelangt man ebenfalls in eine Stube, dahinter in den Pesel, die Festtagsstube. Davon abgehend die Kammer mit Betten. In den Wänden der Stube wie auch des Pesels finden sich Alkoven, Wandbetten, angeordnet um das Zentrum des hauses, den wärmsten Ort. Von der kammer gelangt man wieder in die Küche und von dort in die Diele. Das Tadsen-Museum auf Hallig Langeneß bietet die Möglichkeit zu einem Rundgang durch ein komplett als Museum hergerichtetes altes Kapitänshaus.

GALERIE VOM HALLIGHAUS

Teil eins - außen:

Hallighaus, Hooge
Ockenswarft, Hooge, 1910
Königspesel, Hooge, 1930
Hallighaus, Oland, 1900
Gertsenhaus, Langeness
Nordmarsch, Haus Tadsen 1924
Reetdachdecker, Hooge, 1958
Reetdach, Hooge, 1980
Harlies Hus, Hooge
Königspesel, Hooge
Hallighaus, Hooge

Teil zwo - innen:

Hooge, Diele 1924
Stall, Tadsenmuseum
Heubündel, Tadsenmuseum
Museumsküche, Tadsenmuseum
Museumsküche, Tadsenmuseum
Wanddekoration, Hooge
Alkoven, Tadsenmuseum
Petroleumlampe, Tadsenmuseum
Alkoven, Hooge, Museum.
Tür. Hooge, Museum.
Eckschrank, Hooge
Fußwärmer, Hooge
DIE HALLIGTRACHT

Die Trachten der Halligfrauen unterscheiden sich lange von denen auf den Inseln und am Festland. Es gibt nicht – wie auf den Inseln – eine andere Tracht für den jeweiligen Anlass, sondern es eine Festtagstracht. Die aber bestand bereits seit dem Mittelalter und wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts das Vorbild der heutigen Friesentracht.

Die vielfältigen Trachten waren den Mädchen und Frauen vorbehalten. Die Festtagskleidung der Männer war allgemeiner, nicht speziell nordfriesisch, hauptsächlich von Holland beeinflusst. Lorenz Lorenzen von Nordmarsch schrieb um 1750 „bestanden die alltäglichen Seekleider der Männer aus weiten Pluderhosen von Segeltuch, einem brauen, kurzen Kollert, einem hohen holländischen Hut mit zwey Finger breitem Rand und einem Paar weiten Stiefeln. Feiertags wurden kleine Cantorröcke und Kleider aus bunten holländischen Laken getragen“.

Die Halligfrauen trugen eine „von Alters her gebräuchliche Tracht, die so artig nach dem Leibe geschnitten, dass wenig überflüssiges daran zu finden war.“ Die Kopfbedeckung der Mädchen war eine seidene Mütze, mit einem zwei Finger breiten Rand gesäumt und mit einem Schleifenband unter dem Kinn gehalten. Verheiratete Frauen trugen unter dieser Mütze eine weiße Haube und darüber ein Schwarzes Samttuch, Stikkels gebannt.
Das Kleid war ein langes Futterhemd, die Ärmel lang bis zum Handgelenk und vorn offen. Über der Brust trug man einen zierlichen Latz. Vor der Brust wurde eine lange silberne Kette mit Medaillen und Silberschmuck hin- und hergespannt. Ein blauer Überrock mit blauer Schürze vervollständigte die Tracht.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann sich von Föhr eine neue Tracht auszubreiten, die alle vorherigen nach und nach ablöste. Heute besteht auch die Halligtracht aus einem Oberteil und einem langen schwarzen Rock, dazu eine weiße Schürze. Dazu trägt man ein Schultertuch mit Fransen und ein turbanartiges Kopftuch. Wichtiger Bestandteil sind die Filigranknöpfe aus Silber, der medaillonartige Schürzenhaken und vor allen Dingen die Brustkette aus mehreren Ketten. An die Ketten wurden Medaillen und Münzen gehängt.

Auch diese Tracht drohte zu verschwinden, doch gerade in letzter Zeit besinnen sich gerade junge Frauen von den Halligen wieder auf ihre Traditionen.

GALERIE DER HALLIGTRACHT:
Alltagstracht Hooge 1914
Hooge, Friesin in Tracht 1914
Nordfriesische Tracht
Moderne Halligfrau in Tracht
Schmuck einer Halligtracht, Tadsenmuseum.
SELBSTVERSORGUNG AUF DER HALLIG

Auf den Halligen gibt es weniger Handwerker als auf dem Festland, in erster Linie Holzhandwerker, Zimmerer, auch Schiffszimmerleute und Bootsbauer. Die Halligmenschen machen möglichst alles selbst, was ihnen ein erhebliches Maß an Autonomie und Findigkeit einbringt.

Es gibt auch keine Ärzte auf den Halligen, der nächste Arzt praktiziert auf Amrum oder Föhr. Der gesundheitliche Preis für das Halligleben ist oft auch hoch, viele Kinder starben an banalen Infektionen und die Alten litten wegen der feuchten Behausungen oft an Rheuma.

Jeder, früher sogar der Pastor, hält Vieh. "2 Kühe, 10 Schafe sind das Mindeste", sagt Siegried Baudewig, darunter lohne es nicht. "Jeder hält auch Hühner für die Eier". Im Winter wird die Wolle der Schafe gesponnen. Man verkauft in guten Jahren auch Lämmer, ansonsten findet die Wolle der Halligschafe Abnehmer. Schafwäsche und Schur finden meist um Pfingsten herum statt. Einen kleinen Teil der Wolle behalten die Halligfrauen, um daraus für den Eigenbedarf zu arbeiten.Die Halligfrauen stricken Pullover, Mützen, Handschuhe, fast alles. Eine Hallig ist damals im Prinzip völlig autark, lediglich Getreide wird angekauft, ungemahlen. Jeder Haushalt besitzt eine Handmühle für den eigenen Bedarf und es gibt auf jeder Hallig mehere Bockmühlen für größere Mengen. Auch Luxusgüter wie Tee, Schnaps und Tabak wierden am Festland eingekauft.

Es gibt lange keine regelmäßige Verbindung zum Festland, nur kleine Boote fahren unregelmäßig, der regelmäßige Einkauf auf dem Festland ist eine verhältnismäßig neue Entwicklung.

GALERIE VON VIEH UND SELBSTVERSORGUNG

Teil eins - Viehhaltung:

Vieh, Oland 1895
Ack, Hooge 1910
Hilligenley, Langeness 1915

Teil zwo - Selbstversorgung

Zimmermannswerkzeuge, Hooge
Landmannswerkzeuge, Hooge
Aalfang im Priel, Hooge
Spinnrad um 1900
Buttern um 1970
Butterfaß, Tadsenmuseum
Bockmühle, Hooge 1906
Mühlstein, Hooge
DITTEN - WÄRME AUS DUNG

Selbst das Heimaterial stellen die Halligleute in früherer Zeit selbst her. Wo es keine Bäume gibt und keine Kohle, behilft man sich anders. Auf den Halligen verwednet man Ditten zum Backen, Kochen und Heizen. Ditten sind aus trockenem Kuh- und Schafsdung. Der Kuhdung wird den Winter über im Pottstall gesammelt, einem ummauerten Viereck an der Stalltür.

Im Frühjahr wird die gesamte Masse auf dem sonnenseitigen Warfthang ausgebreitet, von den Kindern zu einer Ebene zusammengetreten, mit dem Dittenstamper weiter geglättet und trocknet dann im hoffentlich sonnigen, windigen Wetter. Nach 10 Tagen bis drei Wochen, je nach Wetterlage, kann die Masse mit dem Dittenpricker, einem viereckigen Holzspaten, speziell zu diesem Zeck gemacht, in quadratische Stücke geschnitten und gewendet werden. Das Wenden erfordert einige Übung.

Anschließend legt man die Stücke ziegelartig übereinander und läßt sie bis Pfingsten weitertrocknen. Danach kann man die Ditten, die jetzt hart und völlig geruchlos sind, auf dem Dachboden stapeln. Der Jahresbedarf liegt ungefähr bei 15 bis 20000 Ditten pro Haushalt, das entspricht dem Mist von drei, vier Kühen.

DITTEN
Ditten stechen, Hooge 1941
Dittenpricker, Tadsenmuseum
Ditten trocknen, Hooge, 1914
WEG UND STEG

In den alten Zeiten ist die Hallig weglos, Vieh, Waren oder Heu wird über die Fenne transportiert.

So genannte Stöcke überspannen die Priele, schmale Brücken, deren Höhe und gebogene Form nötig sind, damit Boote mit Heu darunter durchpassten.

Nachbauten kann der Halliggast heute noch sehen.

"Man treibt auch die Schafe über die Stöcke, will man Rinder treiben, muss man Umwege in Kauf nehmen, denn", erzählt Siegfried Baudewig, "kein Rind läßt sich über einen derart schmalen Weg treiben. Es kann auch geschehen, erzählt er weiter, dass sich zwei Schafherden auf dem Stock treffen. Dann muss ein Hirte Schaf für Schaf mühsam einzeln vom Stock tragen, denn auf dem Stock kann auch das Schaf nicht rückwärts gehen."

Die Warften befinden sich in der Regel in der Nähe der Priele. In der alten Zeit sind die Priele schiffbar.

Mit flachen Booten transportieren die Halligleute auf ihnen alles, was Haushalt und Landwirtschaft bedürfen: das Heu, Schafe oder Wolle zum Verkauf, eingekaufte Waren vom Festland, alles, was an der Halligkante angelandet wird oder verschifft werden soll, findet seinen Weg über die Priele.

Doch die Priele bieten auch Gefahren.

Das erste Kind des Hooger Pastor Anton Wilhelm Conrad Schmidt ertrank 1823 "im großen Schlote bey der Kirche durch ein schreckliches Verhängnis des Allerhöchsten in einem Alter von 3 ¾ Jahren."

Erst im 20 Jahrhundert gibt es Wege auf der Hallig und feste Brücken über die Priele.

Siegfried Baudewig berichtet: "In den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts legen Männer von Reichsarbeitsdienst erste feste Wege auf Hooge an, zunächst nur um die Warften. Die anderen Wege bleiben bis in die fünfziger Jahre unbefestigt. Der Reichsarbeitsdienst legt auch schnurgerade Gräben längs der Wege und zwischen den Fennen an. Sie dienen zur Entwässerung."

GALERIE VON WEG UND STEG

Teil eins - Priel:

Blick über Hooge, 1914
Gröde 1895
Priel, Hooge, 1930
Priel, Hooge
Hooge 1906

Teil zwo - Stock und Steg:

Schafe auf dem Stock
Priel mit Steg, Hooge 1908
Hooge 1911
Nachgebauter Stock, Hooge

Teil drei - Straße:

Reichsarbeitsdienst, Hooge, 1936-41
Straße, Hooge
Straße, Langeness
Priel, Hooge
ALS ES BEINAHE ZU ENDE GING - DIE HALLIGFLUT VON 1825

Am Abend des 3. Februar weht es nicht so stark, dass jemand mit der Möglichkeit einer hohen Flut rechnet, noch abends um 7 Uhr gehen Leute von einer Warft zur anderen oder zur Halligkante. Doch dann kommt das Wasser. So schnell, daß Konrad Petersen, Ipke Johannsen und Bandick Boysen vom Ufer nicht nach Lorenzwarft zurückkehren können sondern nach Ockelützwarft flüchten. Das Wasser steigt so schnell bis in die Häuser, dass man auf Ipkenswarft die Kinder halb bekleidet auf den Boden schaffen muss. Auf Volkertswarft ertrinkt eine alte Frau, weil ihr Sohn, der eine Kuh ins höher gelegene Nachbarhaus gebracht hatte, nicht mehr zu ihr zurück kann. Auf Mitteltritt flüchtet eine Frau mit zwei kleinen Kindern durch das Fenster ins höhere Nachbarhaus. August Carlsens Haus auf Lorenzwarft stürzt bis auf das westliche Fachwerk ein, aber niemand ertrinkt. Auf Pohnswarft, liest man, ertrinken die Bewohner angeblich in ihren Betten. Siegfried Baudewig sagt, "niemand ist damals im Bett ertrunken, kein Halligfriese liegt bei Sturmflut ruhig in seinem Bett." Die Bewohner, berichtet er, hätten zum Teil überlebt, die Häuser hingegen seien stark zerstört worden.

Der damalige Hooger Pastor Anton Wilhelm Conrad Schmidt notiert seine Eindrücke dieser Flut:

"In der Nacht zwischen dem 3ten und 4ten Febr., wie bei Menschengedenken nicht existiert hat. 3 Warften – Klein- und Großsüderwarft und Fedder-Bandixwarft – sind gänzlich mit ihren Wohnungen und Bewohnern untergegangen. Außerdem sind die 5 westlichen Warften größtenteils zertrümmert, und 7 Wohnungen außerdem gänzlich von Grund aus zernichtet. Von 85 Wohnungen sind 6 oder 7 ganz schadenfrey geblieben, und 20 sind höchtens bewohnbar. 25 Menschen haben hier in Einer Schreckensnacht das Leben eingebüßt, davon sind 5 im Bette ertrunken, die übrigen 20 mit ihren Wohmungen vergangen. Die Gemeine ist nun zerrüttet. Viele, die wohlhabensten, entfliehen und manche gehen, so bald sie können. Die folgen dieser Fluth sind traurig. Die Halligen gehen, wenn das so fortgeht, was Gott verhüte, ganz ein. Viele haben alles verloren, sind zerrüttet. Hunger und Durst hätten manchen schrecklich gequält, wenn nicht Nachbargemeinden sich der Halligen angenommen und Proviant zur weisen Verteilung unter die Bedürftigen gesandt hätten. Viel Vieh, groß und klein, ist ertrunken und in den Häusern erschlagen. Die Vorsehung hat sich hier auf einmal schrecklich gezeigt zur Demüthigung und Erhebung. Sie sey uns gnädig und sende uns keine solche Fluth wieder."

Am Tag vor der Sturmflut wird des Pastors Frau von ihrem dritten Kind entbunden, das Kind ist kaum einen Tag alt, als sich der Pastor und seine Frau mit dem Neugeborenen schon vor der Flut auf den Heuboden retten müssen. Der Hausrat des Pastors treibt davon, die Westwand der Kirche wird eingerissen, Särge werden aus ihren Gräbern gespült. Sie werden später auf Pellworm angetrieben und bei der alten Kirche beigesetzt.

Sämtliche Einwohner auf Groß- und Klein-Süderwarft, Fedder-Bandixwarft und ein großer Teil der Bewohner von Pohnswarft sind ertrunken. Es bietet sich ein Bild der Verwüstung. Mauern sind fast überall eingestürzt, totes Vieh liegt herum. Auf Hanswarft gibt es am wenigsten Schaden. Als Leute von Hanswarft nach Mitteltritt kommen, sitzen die Bewohner noch auf dem Boden, sie können nicht herunter, und rufen verzweifelt nach Wasser.

74 von 937 Menschen auf den Halligen und 260 Stück Vieh ertrinken, auf Südfall ertrinken vier Familien, von den Häusern bleibt kaum eine Spur. Von 339 Häusern auf den Halligen sind 233 so zerstört, dass sie unbewohnbar sind und neu gebaut werden müssen.

Von Wyk auf Föhr und Husum fahren Boote das erste Trinkwasser und Proviant auf die Halligen, deren Fethinge versalzen sind. 270 Menschen flüchteten nach Föhr, aufs Festland nach Ockholm oder wandern nach Amerika aus. Auf den Halligen bleiben 162 Familien mit 629 Personen.

Auf Norderoog, das zu Hooge gehört, kann sich die Familie auf dem Boden retten, das Haus ist aber vollkommen zerstört. Norderoog wird nicht wieder besiedelt. Die westlichen Warften auf Hooge werden zum großen Teil zertrümmert, Pohnswarft wird so zerstört, daß kein neues Haus gebaut wurde, Ipkens- und Volkerstwarft bleiben weiter bewohnt, Westerwarft bleibt von Mitte des 19. bis weit ins 20. Jahrhundert unbewohnt. auf Groß- und Klein-Süderwarft, Fedder-Bandixwarft sind unwiderbringlich zerstört, sie liegen schon vor der Flut ganz am Rande der Hallig, heute liegen ihre Reste weit südlich der Halligkante.

Nach der Sturmflut will sich der dänische König Frederik VI. ein Bild von der Lage machen, wegen ungünstigen Wetters muß er eine Nacht auf Hooge verweilen:

"Den 2ten Juli des 1825ten Jahres 3 ½ Uhr kamen Se. Majestät der König Friedrich VI. von Pellworm hier an mit seiner Suite – dem Hofmarschall Hauck, dem Generalmajor von Bülow, dem Kammerherrn von Gössel und dem Major Ewald – besah die zertrümmerten Wohnungen in der Nähe und Ferne auf Ockenswarft und Hanswarft und bezeugte herzliche Teilnahme. Er logierte bei der Wittwe Stienke A. B. Hansen (Edleffs) auf der Hanswarft, in dem schönsten Haus der Insel. Se. Majestät mußte den 2ten Juli hier über bleiben, da der Wind heftig aus Nordwest blies und die niedrigen Stellen unter Wasser gesetzt wurden, so daß der König einen Begriff von dem Schicksal der Halligen in dieser Hinsicht erhielt. Am folgenden Tage, dem 3ten Juli des Nachmittags um 2 Uhr, fuhren Se. Majestät von hier nach Föhr. Bei seiner Ankunft und seiner Abfahrt wurde er mit Jubel empfangen und entlassen. Er selbst rief zuletzt ein dreifaches Hurrah. Vorteilhaft möge dieser Besuch für unsere Insel sein."

Der König nächtigt im Alkoven, dem Wandbett, im nach diesem Besuch Königspesel genannten Raum. Man kann Raum und Alkoven noch heute auf Hanswarft besichtigen.

Die große Sturmflut zerstört die Westwand der Hooger Kirche. König Frederik VI stiftet das für die Erneuerung notwendige Geld. Die Erinnerungstafel über der südlichen Kirchentür und die dänische Fregatte an der Decke erinnern daran. Das Kruzifix an der Südseite der Kirche erinnert ebenfalls an diese Flut. Es stammt vom Anfang des 16. Jahrhunderts, treibt aber nach der Flut 1825 auf Hooge an.

Hilfe und Spenden für die Opfer der Flut kommen vor allem aus Husum, dort wird ein Hilfsverein gegründet, der für die notleidende Halligbevölkerung sammelte. Insgesamt kommen über 40000 Reichstaler zusammen. Es gibt im Königreich Dänemark eine vom König angeordnete Kollekte und Haussammlung. Planmäßige staatliche Hilfe bleibt jedoch aus.

Angesichts der Verwüstungen wird diskutiert, die Halligen aufzugeben und unbewohnt zu lassen.