Gröde
 

DIE WARFTEN [de Weerwe]

Im Jahre 1802 besaß Gröde noch fünf Warften, die Heerst eine und Appelland auch eine. Heute existieren nur noch zwei Warften und ein Warftrest auf Gröde. Die Heerstwarft und die Apelland-Warft sind lange verschwunden.

Auf Gröde gibt es die Knudswarft, die Kirchwarft und einen Rest der wüsten Neu-Peterswarft.

"Tiefer Glanz strahlte aus den Augen des Grübelnden. Noch lange Zeit stand er regungslos an den Taufstein gelehnt und sann über Vergangenheit und Zukunft seine Gemeinde nach, dann ging er an den neun Bänken vorüber und schloß die Türe hinter sich. Er schritt bewegt über den winzigen Kirchsteig auf die Haustür zu. Einige Schritte ging er daran vorbei und stellte durch einen Blick durchs Fenster fest, dass das Pastorat mitten zwischen Kirche und Schule gebettet war. So war alles recht nach seinem Wunsch unter einem zwar sehr niedrigen, aber warmen Reetdach vereinigt."
(Elfriede Rotermund, Godber Godbersen)

KNUDSWARFT

Die Knudswarft besaß 1802 sechs Wohnungen und einen Fething. Bei der großen Flut von 1825 wurde viel zerstört, hinterher aber wieder repariert oder neu aufgebaut. So hielten die Häuser noch weitere 100 Jahre.

Die Knudswarft wurde nach der Sturmflut von 1962 fast komplett neu bebaut, lediglich ein Haus stammt noch von 1759. Jedoch wurden auf der Knudswarft im Gegensatz zu vielen Neubauten auf anderen Halligen, die im Rahmen des Halligerneuerungsprogramms entstanden, gut proportionierte, reetgedeckte Häuser in traditioneller Ost-Westr-Lage erbaut. Die vier Wohnhäuser gruppieren sich um den zentralen Fething, dessen Ränder mit Schilf bewachsen sind. 1967 erhielt die Warft als zusätzlichen Schutz noch einen Ringdeich.

Impressionen von Knudswarft:

In der Warft:

Abendstimmung auf Knudswarft:

Mehr Abendstimmung:

Und zum Schluss noch zwei Bilder, wie Knudswarft früher aussah:

KIRCHWARFT

Nahe bei der Knudswarft liegt die Kirchwarft. Dort befindet sich die kleine Halligkirche. Im selben Gebäude ist auch die Halligschule und die Lehrerwohnung untergebracht.

In der Halligschule werden zur Zeit zwei Schüler von einer Lehrerin unterrichtet. Auch hier gibt es die klassischen Vor- und Nachteile einer Zwergschule: Die Lehrerin kann sich sehr individuell um ihre Schüler kümmern. Und Schummeln ist ausgeschlossen. Wie auf den anderen Halligen gilt auch für die Gröder Schüler: Wer eine weiterführende Schule besuchen möchte, muss aufs Internat ans Festland. Und ein weiteres Problem macht Halligeltern Sorgen: Halligschulen sind von Amts wegen Grund- und Hauptschulen. Um aber hinterher eine weiterführende Schule besuchen zu können, müssen die Kinder zum Beispiel eine zweite Fremdsprache im Unterricht gehabt haben. Dies kann ein Grund- und Hauptschullehrer in der Regel aber nicht gewährleisten. Die Gröder Lehrerin ist Realschullehrerin und unterrichtet für eine geringere Besoldung an der Kleinen Schule. So können die Kinder auch eine zweite Fremdsprache vorweisen. Es gibt Überlegungen, die Defizite in der schulischen Versorgung durch Tele-Unterricht auszugleichen.

Die Gröder Kirche ist die siebte Kirche der Gemeinde Gröde seit der Katastrophenflut im Jahre 1362. Die Kirche wurde als St. Margareten neu erbaut. 1615 musste diese Kirche wieder abgebrochen und weiter landeinwärts neu errichtet werden. Schon zehn Jahre später im Jahre 1625 musste nach einer Eisflut auch diese Kirche aufgegeben werden. Kaum war die neue Kirche fertig, kam die zweite Katastrophenflut von 1634. Kirche und Pastorat wurden wiederum zerschlagen. 1636 entstand die fünfte Kirche.

St. Margarethen zu Ehren ist diese Kirche 1636 allhier versetztet, hat zum Einsiegel geführt das Lamm Gottes, welches 1625 in der Eisfluth mit der Kirche verloren.
Epitaphium 1700

In der Weihnachtsflut 1717 wurde die ganze Westseite der Kirche von der dem Kirchhof gegenüberstehenden Mühle eingeschlagen, die von Sturm und Wellenschlag umgerissen wurde. Fluten der Jahre 1718 und 1720 zerstörten die Kirche vollends.
"[...] so dass Kirche, Pastorat und Schulhaus 1721 abgebrochen, und nachdem Warf und Kirchhof über zwei Ellen erhöhet worden, von neuem aufgebaut werden mussten, wozu collektiert ward."
Jensen

1721 wurde damit die sechste Gröder Kirche errichtet. Doch 1751 drang die Flut in das Gotteshaus ein, riss die Bretterverkleidung an der Westseite weg und stürzte das Glockenhaus um. Fast zwanzig Jahre land wurde immer wieder ausgebessert. Doch schließlich erreichte das Tief die Warft, auch diese Kirche musste abgebrochen werden.

"1770 ward abermals collektiert, weil der Kirchwarf mit Kirche, Pastorat und Schulhaus in Gefahr war und alles weiter landeinwärts musste."
Jensen

Und so erbauten die Gröder 1779 ihre siebente Kirche. Ein schlichtes Kirchlein, reetgedeckt, ohne Turm. Kirche, Pastorat und Schulhaus wurden unter einem Dach vereinigt. Gleichzeitig wurden das Prediger-, Küster- und Lehreramt zusammengefasst.

In der großen Halligflut von 1825 wurde die Kirche erneut schwer beschädigt, die Westwand brach ein, der Giebel und ein Teil des Daches stürzten zusammen. Aber der Schaden konnte repariert werden. 1899 wurde dann das Halligufer gegen weiteren Abbruch befestigt. So kann die kleine Kirche heute noch besucht werden.

DIE HALLIGKIRCHE

Die Gemeinde Gröde hat schon seit langem keinen eigenen Pastor mehr, sondern wird wie auch Oland von Hallig Langeneß mit versorgt. Das kann dazu führen, dass der Weihnachtsgottesdienst, wenn die Tide ungünstig ist, bereits am 23. Dezember stattfindet. Oder erst am 26. Oder gar nicht, wenn der Postschiffer nicht fahren kann.

Die Halligkirche auf Gröde
Der Innenraum der Gröder Kirche

An der Nordwand befindet sich das Triumphkreuz ungefähr aus dem Jahr 1500.

Links daneben ein Gemälde des Jüngsten Gerichts, in dem ein Prediger der Gemeinde verewigt ist: Der "Ehrwürdige, Andechtige und Wohlgelährte H. Petrus Liebenberg Rabinensis Marchiatus dieser christlichen Gemeinde" und seine Gattin. Der Prediger starb nach 51 ½ Jahren des Dienstes an der Gemeinde im Alter von 80 Jahren.

Weiter links verschiedene Tafeln zur Erinnerung an die Versetzung der Kirche 1706, an Verstorbene und Gefallene aus verschiedenen Zeiten.

Nordwand, Triumphkreuz
Bild des Predigers Liebenberg

An der Ostwand befindet sich links die Gruppe der Marienkrönung aus einem Altarschrein aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, bemalt 1694, gestiftet von Broder Bandixen, Schiffer, 1694.

Der Renaissancealtar in der Mitte stammt von 1592. In der Mitte das Kruzifix, daneben biblische Szenen. Rechts daneben sind Glaube, links Hoffnung dargestellt. Im Sockel kann man die Inschrift lesen: SELIGE FEDDER HANS HEFT THO DESSEN TAFEL GEGEVEN X RYKSDALER. 10 Reichstaler hat er gegeben, der Hans Fedder in der Hoffnung auf einen besseren Platz im Himmelreich. 10 Reichstaler war damals viel Geld.

Die Kanzel rechts ist vom Ende des 16. Jahrhunderts. Sie wurde 1695 überarbeitet und verändert. In diesem Jahr wurde auch der Baldachin hinzugefügt.

Die Taufe vor der Kanzel stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, sie wurde 1705 mit Holz repariert. Zwei Gröder haben sich in den Feldern des Achtecks verewigen lassen: ITKE PETERSEN IN DE GRODE und BRODER HANSEN IN DEN GRODE. Auch das Spenderinschriften. Auch die Reparatur 1705 wurde von Gemeindemitgliedern bezahlt, die sich haben verewigen lassen: 1705 VERERRET VON SEFFER HEMME BRODERSEN SEFFER FRIEDRICH BANDICKSEN.

Taufe
Kanzel
Altar

Am Deckenbalken vor dem Altar ein Bibelzitat aus Habakuk: DIE STEINE IN DER MAUREN WERDEN SCHREYEN UND DIE BALKEN AM GESPER WERDEN IHNEN ANTWORTEN. Die Inschrift entstand 1695. Ebenfalls an der Decke das in allen Halligkirchen übliche Votivschiff.

Inschrift am Deckenbalken
Votivschiff
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NEU-PETERSWARFT

Die Neu-Peterswarft wurde bereits in der Flut von 1825 zerschlagen. Weil sie so nah an der Halligkante lag, wurde sie nie wieder besiedelt. Nach und nach brach sie fast vollkommen weg, bis ihre Reste in die Befestigung der Halligkante einbezogen wurden. Heute nutzt nur noch der Küstenschutz den unauffälligen Hügel als Materiallager.

Neu-Peterswarft