Lüttmoor
 

LANDSCHAFT [dat Löön]

Die Landschaft Lüttmoors ist wie die aller Halligen geprägt vom Meer. Die Hallig erlebt bis zu 40 Landunter im Jahr ist geprägt von Salzwiese, Halligrasen und Prielen. Und um das kleine Stück Halligland ersteckt sich das nordfriesische Wattenmeer

Das Watt birgt immer Gefahren. Nie sollte ein Unkundiger sich alleine weit hinauswagen und selbst dem Kundigen kann es gefährlich werden. Vor über 150 Jahren schrieb der damalige Lehrer von Lüttmoor, Johannes Christiansen mit Namen, folgendes:

"Es war im September 1847, wir hatten im Sommer große Dürre und zwei Monate Ostwind gehabt, so daß immer große Ebben abliefen. Nun waren ein Moormann und ich nach Bredstedt, wollten aber denselben Tag wieder über das Watt nach Hause. Bei der Rückkehr verspäteten wir uns etwas; doch hätten wir noch rechtzeitig genug vor der hereinbrechenden Flut zurück sein können, wenn der Wind im Osten geblieben wäre; nun war aber gerade an dem Tage nach 9 - 10 Wochen der Wind nach Westen umgeschlagen. Da gab es Wasser und die Flut kam vor der bestimmten Zeit. Wir ahnten nichts Gefährliches. Mein Gefährte ging etwa 10 Minuten vor mir auf das Watt, wo wir uns wieder begegnen wollten. Dort konnte ich aber meinen Kameraden nicht einholen, denn er hatte das kommende Wasser schon in Sicht und setzte schneller zu, meinte, daß ich das Wasser auch gesehen und bei Zeiten umgekehrt sei. Nun war ich etwa eine halbe Stunde gelaufen und war somit auf halbem Wege nach Moor, da gewahrte ich das Flutwasser rechts und links nur etliche Ruten von mir, ich wollte den Lauf noch fortsetzen, allein die Flut kam immer schneller und näher. Eine furchtbare Angst überfiel mich, der Atem wollte fast stocken, denn mir war bange, daß ich auch vor Ohnmacht den Deich nicht wieder erreichen könnte. Doch - Gott sei noch heute gedankt - ich kam mit genauer Not an den Deich; als ich da war, war die Flut auch da. Mein Kamerad war bis an den Leib im Wasser, auch unter großer Bangigkeit nach Moor gelangt. Das allerschlimmste war noch, meine Frau hatte mich durch das Fernrohr auf dem Watt gesehen und konnte ja nicht anders denken, als daß ich ertrunken sei. Als ich nach einem Jahr einmal allein auf demselben Wege bei gutem Wetter an die verhängnisvolle Stelle kam, überfiel mich abermal Angst und Schrecken. Seit der Zeit bin ich nie wieder allein über das Watt gelaufen."

Im Jahre 1907 wurde dem Lehrer von Lüttmoor das Watt zum Verhängnis. Der Dichter Schmeißer hat die Tragödie festgehalten: "So freundlich und verträumt sie auch im Sonnenschein blinken können, so falsch und tückisch sind doch die Watten da draußen vor der Hallig. Noch kein Menschenalter ist es her, seit sie ihr letztes Opfer forderten. Der Halliglehrer - er war erst vor kurzem nach drüben gekommen - hatte bei Ebbe Besuch übers Watt nach dem Festenwall zurückgebracht. Zu spät trat er den Rückweg an. Er wich von der rechten Richtung ab und geriet in das gefährliche Gebiet des 'Süder-Rönnels', wo er von der Flut eingeholt wurde und elend ertrinken mußte. Und diese einsame Tragödie hatte eine Zuschauerin gehabt - die Lehrersfrau, die vom Halligufer mit dem Fernglas nach ihrem heimkehrenden Mann ausspähte. . . Von Entsetzen und Verzweiflung schier gelähmt, ohnmächtig Hilfe zu bringen, wurde sie Augenzeugin seines Todeskampfes."