LANDVERLUST UND LORENDAMM.
Am Anfang des vorletzten Jahrhunderts besaß Hallig Oland
noch drei Warften: Die Warft Pipe mit über 20 Häusern,
die Knudswarft mit der Halligkirche und die heutige Warft, die damals
noch Neue Warft hieß. Damals lebten noch 100 Menschen auf
Hallig Oland. Doch die Hallig verlor im 19. Jahrhundert große
Teile ihrer Fläche mit der Kirchwarft und der Pipe. Die Kirchwarft
befand sich einst im Süden der heutigen Warft, die Pipe mehr
im Westen.
Mitte
des 19. Jahrhunderts war die kleine Hallig noch von etwas über
60 Menschen bewohnt, die ein ärmliches Dasein fristeten.
Am Ende des Jahrhunderts waren es noch gut 30. Die Epoche der
Seefahrt war vorüber, während der auch viele Oländer
auf Fahrt gegangen waren, und die Halligfläche war so klein,
dass auch die Landwirtschaft keine großen Erträge abwarf.
Im Osten der Hallig hatte es zwar einen gewissen Anwachs gegeben,
doch der war Mitte des 19. Jahrhunderts auch wieder nahezu verschwunden.
Es stand schlecht um die kleine Hallig.
Ohne die Maßnahmen zum Schutz der Hallig vom Ende des 19.
Jahrhunderts wäre Hallig Oland heute sicherlich mindestens
beinahe verschwunden. Da man jedoch der Ansicht war, der Erhalt
auch der kleinen Halligen sei zum Schutz des Festlandes wichtig,
erhielt Oland ab 1896 als zweite Hallig nach der Hamburger Hallig
eine Steinkante zur Befestigung des abbröckelnden Halligufers.
Das Material zum Bau der Steinkante wurde bereits auf einem Damm
herangeschafft, der zu diesem Zweck zum Festland bei Fahretoft
errichtet wurde. 1897-99 entstand dann ein Damm zwischen Oland
und der Hallig Langeneß.
Die Streckenführung erwies sich jedoch als nicht gelungen,
der Damm wurde bis 1916 vom Meer wieder zerstört.
Von 1925 bis 1927 enstand deshalb ein neuer Damm zum Festland,
der bis heute in Gebrauch blieb. Erst jetzt wird, teilweise von
großen Bedenken der Naturschützer begleitet, ein erheblich
breiterer und höherer Damm direkt neben dem alten errichtet.
Die Schienen des Dammes, dies sei als Kuriosität am Rande
angemerkt, stammen übrigens in weiten Teilen von der Berliner
Straßenbahn. Auf halbem Weg befindet sich eine Ausweichstelle,
die entgegenkommendem Verkehr das Ausweichen ersparen soll.
DER LORENDAMM:
Teil eins:
Der Damm ist weiterhin eigentlich dem Küstenschutz vorbehalten.
Die Einwohner von Oland und Langeneß dürfen ihn lediglich
in einer Art gentlemen’s agreement außerhalb der Arbeitszeiten
des Küstenschutzes für private Zwecke nutzen.
Der Feriengast wird in der Regel von seinem Gastgeber mit der Lore
über den Damm von Dagebüll abgeholt und nach Urlaubsende
wieder ans Festland gebracht. Eine Lorenfahrt auf dem Damm ist ein
Erlebnis. Und man merkt, wie abhängig man von den Gezeiten
ist. Eine Lorenfahrt nämlich ist bei Hochwasser unmöglich.
Der Damm hatte auch den durchaus erwünschten Effekt, zur Landgewinnung
zu dienen. Inzwischen hat die kleine Hallig einiges an Neuland dazugewonnen.
1962-65 erhielt Oland einen Sommerdeich, um die Heuernte vor Hochwassern
zu schützen.

DIE WARFT.
Die Warft ist wie die Halligwarften in alter Zeit ein kleines
Dorf. 17 Häuser drängen sich um den zentralen Fething,
den einzigen, den man nach dem Anschluß ans Wassernetz noch
belassen hat. Es gibt eine Gastwirtschaft, eine Poststelle, die
kleine Halligschule, das Gemeindehaus im ehemaligen Pastorat und
die Halligkirche. Die Warft ist nach der letzten Erhöhung
umgeben von einem niedrigen Ringdeich. Oland trägt nicht
umsonst den Namen „Die Liebliche“. Die Häuser
und Gärten sind auf das liebevollste gepflegt, das Warftinnere
bietet eine ungemein anheimelnde Atmosphäre mit all den Blumen.
Wer jemals den Herrn der Ringe gelesen hat, der fühlt sich
sofort an das Auenland erinnert. Selbst im Winter strahlt Olands
Warft Heimeligkeit aus.
Teil eins:
Teil zwo:
Teil drei:
Teil vier:
Teil fünf:
Teil sechs:

DER LEUCHTTURM.
Oland besitzt noch eine Besonderheit: Den kleinsten und zudem noch
einzigen reetgedeckten Leuchtturm Deutschlands. Der kleine Leuchtturm
besitzt eine Gürtellinse und ist ein Quermarkenfeuer für
das Föhrer Ley und das Dagebüller Fahrwasser.
DER LEUCHTTURM::

DER HAFEN.
Die Wassertiefe rund um Oland ist verhältnismäßig gering.
Der kleine Hafen der Hallig kann auch von Ausflugsschiffen nur bei
Hochwasser angelaufen werden. Viele Oländer besitzen zum
Eigenbedarf kleine Boote. Aber der Warenverkehr läuft über den Lorendamm.
HAFENIMPRESSIONEN:
Teil eins:

DIE HALLIGKIRCHE.
Eine Kirche der Gemeinde Oland findet erstmals bereits kurz nach
der Katastrophenflut von 1362 Erwähnung. Oland war nun eine
Hallig. Jedoch hat die Gemeinde im Gegensatz zu vielen anderen nicht
ihre Kirche verloren. Die Kirche befand sich zu dieser Zeit auf
der Knudswarft. Sie war nur ein bescheidener Holzbau. Wegen Baufälligkeit
wurde die Holzkirche Anfang des 18. Jahrhunderts abgetragen und
1709 ebenfalls auf der Knudswarft durch einen steinernen Kirchenbau
ersetzt. Nicht einmal hundert Jahre später lag Knudswarft jedoch
bereits so nah am Halligabbruch, dass die Kirche 1824 auf die weiter
im Westen gelegene große Oländer Warft versetzt wurde,
auf der sie bis heute steht.
Die neue Kirche enstand als backsteinerner Saalbau mit Reetdach.
Die Giebel sind mit Brettern verschalt. Die Nordtür ist zugemauert.
An der Südtür findet man oberhalb die Bauinschrift aus
dem Jahre 1709.
Hochwassermarke
Bauinschrift
Das älteste Stück im Innenraum ist die schlichte romanische
Taufe aus dem 12. bis.13. Jahrhundert. Über der Taufe hängt
an der Nordwand ein Kruzifix aus dem 13. Jahrhundert. Ebenfalls
an der Nordwand ein Apostelfries aus dem frühen 15. Jahrhundert.
Er besteht aus einem sitzenden Christus und 12 Figuren, eine 13.
Figur, der Apostel Petrus befindet sich an der Nordwand neben dem
Altar. Die Figuren stammen vermutlich aus zwei in der Flut von 1634
versunkenen Kirchen.
bemalte Kirchentür innen
Taufe und Kruzifix
Apostelfries
Apostel Paulus
Die Kanzel aus dem Jahr 1620 stammt vermutlich aus der Werkstatt
des Flensburger Meisters Hinrich Ingeling. Sie zeigt in drei Feldern
Reliefschnitzereien, die den Sündefall, die Geburt Jesu und
das jüngste Gericht darstellen. Die Kanzel wurde vom Oländer
Kirchgeschworenen Hans Anderesen und seiner Frau zur Ehre Gottes
und der Kirche zur Zier gestiftet.
Altar und Kanzel
Kanzel
Votivschiff Olandts Wolfahr
An der Decke der Oländer Kirche hängt, wie in Halligkirchen
üblich, ein Votivschiff. Es handelt sich um ein dänisches
Kriegsschiff von 1733 mit dem Namen Olandts Wolfahr.
Ebenfalls an der Nordwand befindet sich das Epitaph für den
Schiffer Ipke Paulsen, der uns auch den
Bericht über seine Entführung durch die Barbaresken-Piraten
hinterließ. Das Epitaph zeigt die fünfzehnköpfige
Familie des Stifters, sie knien alle vor dem gekreuzigten Christus.
Einige Familienmitglieder waren zum der Zeit als das bild fertig
wurde bereits verstorben, eine kleines Kreuz über ihren Köpfen
symbolisiert dies. Das Bild wird um 1700 entstanden sein, der Maler
ist unbekannt.
Epitaph des Ipke Paulsen
Altes Grabmal
Die Geschichte von Ipke Paulsen:
Bis ins 17. Jahrhundert jedoch besaß Oland eine eigene Handelsflotte, ein volles
Seegericht und einige Bedeutung im maritimen Bereich. Ein volles Seegericht besteht im Gegensatz
zum so genannten Halben Seegericht aus acht Kapitänen und ist bereits die nächsthöhere
Appelationsinstanz für maritime Streitfälle.
Doch nach und nach verlor Oland seine Zuständigkeit an das aufstrebende Seegericht in Husum.
Im Laufe der Zeit verlor Oland an Bedeutung, der Hafen eignet sich nicht für größere Schiffe.
Doch zur See fuhren die Oländer wie auch die Männer von den anderen Hallig immer noch.
Die Seefahrer zur damaligen Zeit war immer von Piraten bedroht und das nicht nur in der Karibik.
Bis in die Nordsee drangen die muslimischen Piraten der Barbareskenküste vor. Das Schiff des
Oländers Ipke Paulsen wurde im späten 17. Jahrhundert von solchen Piraten aufgebracht.
Seine Geschichte überliefert ein zeitgenössischer Bericht:
"Der Schiffer Ipke Paulsen von Oland fuhr im März des
Jahres 1687 auf seinem eigenen Schiff, das außer ihm durch
sechs Halligleute bemannet war, von der Heimath nach Drontheim ab,
woselbst er am 4. Mai glücklich anlangte. Er löschte seine
Schiffsladung daselbst und nahm Stockfische und Diehlen wieder ein,
um selbige nach London zu bringen. Am 1.Juni ging er wieder in See,
segelte unter günstigem Winde bis in die Nähe Englands,
traf hier auf der Doggerbank aber, am 20.Juni, einen sogenannten
türkischen Seeräuber, d. h. ein afrikanisches, mit 32
Kanonen und 400 Mann besetztes, aber von zwei deutschen und einem
schwedischen Offizier geführtes, unter türkischer Flagge,
segelndes Schiff. Es war natürlich, daß das schwache
friesische Fahrzeug diesem gewaltigen Schiffe weder entweichen noch
widerstehen konnte; es wurde daher leicht überwunden und dessen
Mannschaft gefangengenommen. Durch heftige Stürme wurde das
Seeräuberschiff, nachdem es noch eine holländische Fregatte
von zwölf Kanonen und freilich früher schon mehrere holländische
und kleine britische Fahrzeuge gekapert hatte, einmal bis nahe an
die Küste Norwegens und ein andermal bis dicht an die Küste
Irlands verschlagen. Jedoch es änderte sich jedesmal zur rechten
Zeit der Wind und das Wetter, und obgleich das Schiff unterdessen
bedeutend leck geworden und Hungersnoth unter den vielen Gefangenen
so wie unter der Besatzung des Schiffes entstanden war, so rückte
das Schiff doch allmälig weiter südwärts nach Afrika
zurück und kam am 24.Juli 1687 glücklich vor Gibraltar
an. Jetzt wurde beabsichtigt, die vielen Gefangenen an der marokkanischen
Küste auszuschiffen und sie zu Lande nach Algier zu führen,
um sie dort als Sklaven zu verkaufen. Es war jedoch von der Vorsehung
anders beschlossen. Nach einer nebeligen Nacht fanden die Türken
am Morgen des 26.Juli ihr Schiff an der Seite eines großen
60 Kanonen führenden französischen Kriegsschiffes liegend
und mußten sich demselben nach einigem Schießen ergeben.
Nachdem das französische Kriegsschiff noch ein türkisches
Seeräuberschiff von acht Kanonen erbeutet hatte, segelte das
Kriegsschiff mit seinen Prisen nach Toulon, woselbst alle am 14.
September anlangten. Hier erhielten die gefangenen Christen, 140
an der Zahl, ihre Freiheit und einiges Reisegeld. Die sieben Nordfriesen
reisten über Toulouse nach Bordeaux. Hier blieb der Capitain
Ipke Paulsen krank zurück und ein Matrose zu seiner Pflege.
Die übrigen reiseten von da zu Schiffe nach ihrer Heimath,
woselbst sie um die Mitte des Decembers endlich wieder landeten.
Ipke Paulsen und sein Matrose kehrten im folgenden Jahr ebenfalls
wieder heim, und der erstere erhielt in der Folge ein größeres
Schiff, mit welchem er mehrere glückliche Reisen nach Frankreich
machte."
Auf dem Friedhof befindet sich auch der Glockenstapel aus dem Jahre
1927. Die Glocke aus dem Jahr 1869 ist ein Geschenk des preussischen
Königs. Auf dem Friedhof ist auch das Grab des Halligdichters
Wilhelm Lobsien. Direkt daneben liegt der letzte Pastor von Oland.
Glockenstapel
Grab des Halligdichters
Friedhof
Bis 1666 gehörte Langeneß zur Gemeinde Oland. Im jahr
1882 wurde die Pfarrstelle auf Hallig Gröde mit der auf Oland
verbunden. Seit 1969 nun bilden die drei Halligen Langeneß,
Oland und Gröde eine Kirchengemeinde.
Das Oländer Pastorat war nun frei und wurde einer neuen Nutzung
als Gemeindehaus und Haus des Sommergastes zugeführt.