Die Vogelhalligen
 

NORDEROOG [Noorderuug]

Norderoog liegt südwestlich von Hooge. Westlich von Norderoog liegt der Norderoogsand, der die Hallig schützt. Die Hallig ist nur noch knapp zehn Hektar groß. Norderoog gehört zur Gemeinde Hooge. Seit 1825 wird sie nicht mehr dauerhaft bewohnt. Norderoog gehört zur Schutzzone 1 des Nationalparks Schleswig Holsteinisches Wattenmeer. Das bedeutet, die Hallig kann nur im Rahmen geführter Wattwanderungen besucht werden. Norderoog hat, weil nicht beweidet, eine etwas andere Anmutung als andere Halligen.

NORDEROOG

Erstmals erwähnt wurde Norderoog als Norder Ough im Jahre 1597. Es gibt Theorien, dass Norderoog ein Rest des im mittelalterlichen Erdbuch Waldemars II Sejr erwähnten Hwalae Minor, also Klein-Strand, sei.

Noch vor der Flut von 1634 war Norderoog ein Festegut, das von einem Strandvogt bewohnt wurde. Der Vogt besaß die Hallig nicht, sondern hatte sie nur zur Verfügung, musste aber als herzoglicher Strand- und Wrackvogt Pferde, Wagen, Knechte und Schiffe vorhalten. Norderoogs Größe lag damals noch bei 140 Hektar.

Inwieweit Norderoog in der Flut von 1634 Schaden nahm, ist kaum bekannt, selbst Heimreich, der Pastor von Nordstrand, der sonst Schäden jeder Hallig akribisch auflistet, erwähnt Norderoog nicht. Bald nach der Flut war Norderoog wieder bewohnt, erneut als Festegut mit Strandaufsicht. Die Bewohner, nur eine einzige Familie leben während des ganzen 18. Jahrhunderts mehr schlecht als recht von Viehzucht, Strandgut und Seehundjagd.

1825 hat Andreas Andresen die Hallig und die Vogtei zur Feste als die schwere Halligflut schwere Zerstörungen anrichtet und ihn und seine Familie beinahe ertränkt. Mann, Frau, Kind und Magd können sich mit knapper Not auf den bereits überspülten Dachboden des Hauses retten. Haus und Teile der Warft holt die Flut. Die Familie verbringt den ganzen folgenden Tag in einem Boot ohne Mast und Segel, bis sie schließlich von Hoogern abgeholt werden. Die Warft liegt nun an der Abbruchkante, der Fething ist zerstört. So gibt man die Hallig auf. Norderoog wird im Sommer von Hooge aus bewirtschaftet. Auch zum Eiersammeln wird die Hallig so gerne genutzt, dass sie auch als Eierinsel bekannt ist.

Verschiedene Pächter versuchen, die Hallig wieder bewohnbar zu machen, scheitern aber immer an mangelnden finanziellen Mitteln. 1865 stürzt das letzte Hallighaus ein, das nur noch während der Heuernte bewohnt war. Es wird nicht wieder aufgebaut. Die Warft wird nach und nach weggespült.

1909 erwarb schließlich der Verein Jordsand die Hallig für 12000 Goldmark als Vogelfreistätte. Das Geld wurde durch Spenden, vornehmlich aus der Hamburger Hafenwirtschaft, in kurzer Zeit aufgebracht. Seit dieser Zeit ist Norderoog die einzige private Hallig in der Nordsee. Als der Verein Jordsand Norderoog erwarb, war Norderoog 18 Hektar groß.

Von 1909 bis in die Siebziger Jahre schrumpfte Norderoog auf nur noch sieben Hektar. Durch beständigen Kampf um den Erhalt der Hallig konnte mit Uferschutz, Befestigung und Landgewinnung die Hallig bei knapp zehn Hektar stabilisiert werden. Jedes Jahr kommen Jugendliche für zweiwöchige Workcamps auf die Hallig und helfen ehrenamtlich bei Arbeiten zum Erhalt der Hallig.

Norderoog ist Brutplatz für viele Vogelarten der Nordseeküste. Aber vor allem ist die Hallig Norderoog der wichtigste Brutplatz der bedrohten Brandseeschwalbe an der deutschen Nordseeküste. Die Brandseeschwalbe ist sehr störungsempfindlich und daher an vielen anderen Brutplätzen oft jahrelang verschwunden.

Der Vogelwart ist heute meist ein Zivildienstleistender. Er lebt in einem Pfahlbau, wie schon der erste Vogelwart. Als erster Vogelwart erschien 1909 ein Mann auf der Hallig, der zur Legende wurde: der Däne Jens Sørensen Wand.

JENS WAND

"Von meinem letzten falschen Freund geschieden,
leb’ ich hier in stillem Frieden."
schrieb der Eigenbrötler Jens Wand auf seine Hüttenwand.

Zur Brutzeit 1909 kam er zum ersten Mal nach Norderoog. In den ersten Jahren lebte Jens Wand noch mit seiner Frau auf der kleinen Hallig, doch seine Frau ertrank 1916 im Watt. Jens Wand lebte seit 1909 mit einigen längeren Unterbrechungen, von 1932 bis 1950 sogar ständig auf Norderoog. Nur die Wintermonate von November bis März verbrachte er in Husum. Die Erhaltung der Brandseeschwalbenkolonie war seine Lebensaufgabe und er verteidigte seine Schützlinge auch mal mit dem Knüppel gegen Störenfriede.

"Eenmal halt de Woogen mi doch", hatte Jens Wandt immer gesagt. 1950 kam er im Wattenmeer zwischen Hooge und Norderoog um. Manche sagen, der alte Mann habe einen Schlaganfall erlitten, manche, dass er in Nebel und Dunkelheit die Orientierung verloren habe und ertrunken sei. Jens Wand wurde auf Hallig Hooge neben seiner Frau beerdigt, ein Gefolge, wie man es auf Hooge lange nicht gesehen hatte, gab dem König von Norderoog das letzte Geleit und beim Gottesdienst flog eine kleine Schwalbe in der Kirche hin und her als wolle sie Jens Wand einen letzten Gruß seiner Schützlinge überbringen.

BILDERGALERIE.

Natürlich außerhalb der Brutzeit. Und nach dem Abzug der Brandseeschwalben aufgenommen. Daher der Mangel an Vogelbildern.

Norderoog am Horizont:

Norderoog von Hooge aus

Wanderung nach Norderoog:

Im Watt
Norderoog

Auf Norderoog:

Wasserschute
Norderoog
Aufgang zur Vogelwärterhütte
Auf Norderoog