Süderoog liegt südwestlich der Insel Pellworm. Im Westen
von Süderoog liegt der schützende Süderoogsand.
Die Hallig ist 62 Hektar groß. Ein Ehepaar bewohnt die einzige
Warft.

SÜDEROOG
Von Petreus 1597 als Suder Ough oder Boy Ocksens Halg erwähnt,
hat Süderoog seit dieser Zeit wie alle Halligen kontinuierlich
an Fläche verloren. Nur der Süderoogsand verhinderte
die frühzeitige Zerstörung der kleinen Hallig. Dank
ihrer exponierten Lage ist Süderoog zusammen mit dem Süderoogsand
schon in den frühesten Seekarten der nordfriesischen Küste
zu finden. Der Besitzer der Hallig, Boye Ocksen, versah auch das
Amt des Strand- und Wrackvogtes. Die Zweite Groten Mandränke
zerstörte 1634 zwei von drei Häusern und ertränkte
zehn Bewohner.
Auch die Strandvogtei wurde zerstört, aber der Vogt überlebte.
Boye Ocksen folgten sein Sohn Hans Boysen und für danach über
300 Jahre immer Nachfahren des ersten Vogtes als Pächter der
Hallig und im Strandvogts-Amt nach, der erst "herzoglicher",
dann "königlicher" und zuletzt "preußischer"
Strandvogt hieß. Der Vogt hatte für Bergung und gegebenenfalls
Unterbringung gestrandeter Seeleute zu sorgen, wenn es möglich
war, hatte Schiffe auch wieder flott zu machen. Dafür sollte
zur Bergung des Strandgutes im herzoglichen Auftrag zwei Pferde,
sechs Knechte und drei Wagen vorhalten. Vom Strandgut jedoch stand
ihm nur ein kleiner Anteil zu.
Die exponierte Lage macht Süderoog auch zu einem beliebten
Ziel für Piraten. 1700 landeten dänische Kaperer, die
plünderten und das Haus in Brand stecken wollten.
Im Jahr 1711 hatte Süderoog noch 200 Hektar, heute ist es
weiniger als ein Drittel. Und das Halligland sei, schrieb der damalige
Besitzer in einem Antrag auf Steuerminderung an die herzogliche
Kommission, von geringerer Qualität, den es sei kein Klei-
und Marschland, sondern mageres Sand- und Geestland. Die Vogtei
hatte im 18. Jahrhundert Familie Carstens inne, Nachfahren von Magdalene
Boyens. Im 19. Jahrhundert Jens Jensen, Ehemann von Lucia Carstens.
Auch Jensen führte einen beständigen Kampf mit der herzoglichen
Steuerverwaltung um Steuernachlässe, weil die Hallig für
Landwirtschaft so ungünstig sei, weil entweder häufig
überflutet oder zu trocken.
In der schweren Halligflut von 1825 wird das Hallighaus schwer
beschädigt, viel Vieh ertrinkt, aber die Bewohner überleben.
Das Haus wird wieder aufgebaut.
Im Jahr 1859 wurde die Pacht Paul Andreas Paulsen übertragen,
auch er Nachfahre des Boye Ocksen. 1868 stelle Paulsen Antrag auf
Kauf der Hallig und nach vielem verwaltungstechnischem Hin und Her
war er 1871 Besitzer von Hallig, Warft und Haus. Auf dem Westhang
errichtete Paulsen eine Bockmühle, die bis 1929 in Betrieb
blieb.

THEODOR STORM - EINE HALLIGFAHRT
In den 1850er Jahren besucht der Dichter Theodor Storm Hallig Süderoog,
ein Besuch, den er in seiner Novelle Eine Halligfahrt verewigt hat.
"[…] Aber es war dennoch keine Zauberinsel, sondern
eine Hallig des alten Nordfrieslands, das vor einem halben Jahrtausend
von der großen Flut in diese Inselbrocken zerrissen wurde;
die weißen Vögel waren Silbermöwen, welche dem Strande
entlang über ihren Brutplätzen schwebten; larus argentatus,
von den Naturforschern längst registriert und in ihren Systemen
untergebracht. Als wir bald darauf zu Wagen unter ihrem Ringe durchfuhren,
sah ich deutlich über unseren Köpfen die funkelnden Augen
und die starken vorn gebogenen Schnäbel. Dabei erklang in kurzen
Pausen ein heiseres "Gack! Gack!", ähnlich dem unserer
Gänse, nur hastiger und wilder. Susanne drückte ängstlich
den Kopf an ihre Mutter; aber unser Fuhrmann klatschte lachend mit
der Peitsche, und das luftige Gesindel stob gackernd nach allen
Seiten auseinander.
Und
dort auf der hohen Werfte, inmitten der öden baumlosen Insel,
lag das große Hallighaus mit dem tief hinabreichenden Strohdache,
in welchem nun schon seit Jahren "der Vetter", ein alter
trefflicher Junggeselle, sich bei den schweigsamen [299] Bewohnern
eingemietet hatte. "Die Räder der Staatsmaschine"
- so hatte er mir derzeit seine Übersiedelung angekündigt
- "werden mir doch zu indiskret; ich weiß, es gibt
Leute, die davon entzückt sind; mich anlangend, so kann ich's
nicht ertragen, wenn sie mir fortwährend hinten in die Rockschöße
haspeln." - Und so war er denn mit seiner Bibliothek und
seinen allerlei Sammlungen in diese Meereseinsamkeit gezogen,
wo er sich seiner Meinung nach außer dem Bereich der verhaßten
Maschine befand. […]"

DIE HALLIG DER JUNGEN - HERMANN NEUTON PAULSEN
Hermann Neuton Paulsen wurde der bekannteste Bewohner von Süderoog,
als er 1927 auf seiner Heimathallig ein internationales Jugendlager
errichtete. Geprägt von den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs
begann er zunächst 1924-26 auf Hallig Hooge, ab 1927 auf Süderoog,
eine Begegnungsstätte für Jungs aufzubauen. Jungen unterschiedlicher
Länder und verschiedener sozialer Schichten sollten dort gemeinsam
ihre Ferien verbringen. In gesunder Umgebung, geprägt von Natur
und Landwirtschaft, sollten die Jungs gegenseitigen Respekt lernen,
damit sie sich niemals wieder in Waffen gegenüberstünden.
Selbst zwischen 1933 und 1945 gelang es den nationalsozialistischen
Machthabern nie, Paulsens Ferienwerk in ihrem Sinne gleichzuschalten.
Hermann Neuton Paulsen starb 1951, seine schwedische Frau Gunvor
führte sein Werk weiter. 1960 wurde es in eine Stiftung umgewandelt,
deren Zweck war "auf der Grundlage des Werkes von Hermann Neuton
Paulsen im Interesse der Völkerverständigung, der Jugend
aus verschiedenen Ländern Gelegenheit zu geben, sich in von
Verantwortung getragener Freiheit auf der Hallig Süderoog freundschaftlich
zu begegnen, kennen zu lernen und in Formen zusammenzuleben, die
der Entwicklung der Psychologie und der Pädagogik jederzeit
angepasst sein sollen". (§2 der Stiftungsurkunde, Stockholm,
den 22. Februar 1960).
Die
schwierigen sanitären Verhältnisse, die auf der Hallig
auch kaum zu verbessern waren, die gestiegenen Anforderungen und
hohe Unterhaltskosten führten nach und nach zum Niedergang
des Ferienwerks. Die Hallig Süderoog wurde 1971 für
400000 DM an das Land Schleswig-Holstein verkauft, die Stiftung
drei Jahre später aufgelöst. Der alte Vierseithof wurde
zum Teil abgebrochen, der Westteil und das Südhaus blieben
erhalten.Heute steht Süderoog unter Naturschutz und wird direkt vom
Nationalparkamt verwaltet. Süderoog ist an ein Ehepaar verpachtet,
dass dort auch wohnt, das Amt des Nationalparkwartes versieht, einige
Schafe, Kühe und Hühner hält und sich um den Erhalt
der Hallig kümmert. Touristen können Süderoog in
geführten Gruppen von Pellworm aus erreichen.

DAS LEUCHTFEUER AUF SÜDEROOG UND SÜDEROOGSAND
Seit dem frühen 17. Jahrhundert befand sich ein Leuchtfeuer
auf Süderoog, das vom Strandvogt zu betreiben war. 1634 ging
es in der Flut unter. Eine Bake blieb wohl auf Süderoog bis
sie 1667 zerstört wurde. Danach wurde in dänischer Zeit
kein neues Seezeichen auf Süderoog mehr errichtet.
Der
Süderoogsand ist der größte und südlichste
der drei nordfriesischen Außensände. Er wird im Norden
durch das Rummelloch vom Norderoogsand getrennt und im Süden
vom Heverstrom begrenzt.
Zwischen 1798 und 1922 strandeten mehr als 50 Schiffe auf dem Süderoogsand.
Schnell wurden die Schiffe von der Brandung zerschlagen. Havarien
waren durchaus im Interesse der Halligbewohner. Nicht alles wurde
der Obrigkeit gemeldet, lieber behielt man das meiste für sich.
1868 strandete das englische Vollschiff Elisabeth Catharina von
Lima vor Süderoogsand. Das Strandungsprotokoll:
"Selbigen Sommer war hier auf Süderoog 2 Tage Auktion
von ca. 3000 Balken, 12 Ballen Baumwolle, 2 Tonnen Oel, 2 großen
Trossen, 7 Kisten mit Kleidungsstücken, 7 Säcken mit Kleidern,
einigen Paketen neuen Röcken und Hemden, Seekarten, Compassen,
18 Flaggen, Kochgerätschaften, 1 Kiste Zucker, 2 Kisten Bannenen-
und Melonensaft, 1 Kiste mit Chinesischem Elfenbein, Arm beiten
und Bücher, 1 Kiste mit Uhren und Uhrmachergerätschaften,
30 Tolli Bretter, 500 Pfund Kopfer, 5 Wracken und sonstigen Sachen."
1870, am Heiligen Abend, strandete auf Süderoogsand die spanische
Bark Ulpiano.
"Die Mannschaft bargen wir den 26ten mit großer Mühe
wegen des Eises und war dieselbe hier reichlich 10 Wochen. Die Mannschaft
war 12 Mann und hatte das Schiff noch keine Ladung eingehabt. Das
Schiff hieß "Ulpiano", der Capitän hieß
Soforino Prido und war von Kirvarder in Spanien. Kostgeld für
die Mannschaft 1250 ii, Bergelohn 1000 M."
Die Galionsfigur befindet sich in einem Museum in Wyk auf Föhr.
Das aus Dankbarkeit zurückgelassene Heckbild der Bark ziert
bis heute die Südseite des Hallighauses.
Im
Jahr 1866, Süderoog war mittlerweile preußisch, errichteten
Schiffer auf eigene Kosten eine Signallaterne auf Süderoog.
Ein Jahr später konnten sie den Unterhalt schon nicht mehr
bezahlen und demontierten ihre Signallaterne wieder.
Auf dem Süderoogsand befand sich zu dieser Zeit bereits eine
Bake zum Auffinden des Hever-Stroms. Bei Ausbruch des Deutsch-Französischen
Krieges 1870 wurde die Bake zerstört, nach dessen Ende ein
Jahr später wieder neu errichtet.
1872 baten 14 Husumer um die Errichtung von Leitfeuern auf Süderoogsand.
Es wurde ab 1873 ein massiver Turm geplant, das Vorhaben aber nie
umgesetzt.
1891 wurde die Bake durch Eis zerstört. Über den Sommer
wird 20 Meter weiter südlich eine neue Bake errichtet. Sie
war mit einem kugelförmigen Toppzeichen und einem Rettungsraum
versehen. In den folgenden Jahren musste die Bake durch die Wanderung
des Süderoogsandes in Richtung Osten mehrfach versetzt werden.
Im Jahr 1940 wurde das Toppzeichen durch eine Gaslaterne ersetzt
und die Bake dadurch zum Leuchtfeuer. Die Bauwerke mussten mehrfach
neu errichtet werden. Der letzte Neubau stammt von 1985. Die hölzerne
Leucht- und Rettungsbake hat eine Höhe von 19 Meter und eine
Feuerhöhe vom 18 Metern über dem mittleren Tidehochwasser.
Sie steht auf dem Südende des Sandes auf Position 54° 25'
30? N, 8° 28' 44? O, ihre Kennung ist: Glt. - 6 s (= 3 Sekunden
Dunkelphase, 3 Sekunden Licht).